Gruner + Jahr: Papierkosten, Digitalinvestitionen und Südeuropa drücken Ergebnis

Donnerstag, 29. März 2012
Durch den Verkauf von Prinovis war der Umsatz von G+J rückläufig
Durch den Verkauf von Prinovis war der Umsatz von G+J rückläufig


Nur zwei Tage liegen dazwischen - und dennoch trennen Deutschlands größte Magazinverlage strategische Welten. Am Montag hatte Burda seine Bilanz 2011 vorgelegt. Tenor: Riesiges Umsatzwachstum vor allem durch den Kauf des Tierfutter-Onlinehändlers Zooplus, rückläufiges Verlagsgeschäft in Deutschland, keine Aussagen zum Gewinn. Und heute am Donnerstag verkündet Rivale Gruner + Jahr seine Zahlen. Tenor: Umsatzrückgang durch den Verkauf der Druckbeteiligung Prinovis (ansonsten bereinigt ein Mini-Plus), dabei stabile Erlöse im klassischen Verlagsgeschäft mit einer Umsatzrendite von über 11 Prozent. Traditionell einen Tag nach der Konzernmutter Bertelsmann, die gestern ihre Bilanz - und damit auch die Eckwerte von G+J - vorgelegt hat, schlüsselt der Hamburger Verlag seine Zahlen auf. So bröckelten die Print- und Online-Werbeumsätze der eigenen Medienmarken im vergangenen Jahr minimal um 0,8 Prozent auf 725 Millionen Euro (2010: 731); die Vertriebserlöse legten mit 711 Millionen Euro (2010: 705) leicht um 0,9 Prozent zu. Die Provisionen aus Mandantengeschäften bei Vermarktung und Vertrieb sowie Merchandising-/Event-Umsätze stiegen deutlicher um 4,3 Prozent auf 364 Millionen Euro (2010: 349).

Alle drei Positionen fasst G+J als Markengeschäft zusammen, dessen Umsätze demnach minimal um 0,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro (2010: 1,79) zulegten. Hier meldet G+J ein operatives Ergebnis von 201 Millionen Euro und eine Umsatzrendite von 11,2 Prozent.

Zu den 1,8 Milliarden Euro „Markenumsatz" kommen noch rund 490 Millionen Euro Werbe-, Vertriebs- und sonstige Erlöse aus zahlreichen Beteiligungsunternehmen, in Deutschland etwa Motor Presse Stuttgart, „Sächsische Zeitung" und der Onlinevermarkter Ligatus, international etwa die US-Druckerei Brown Printing. Insgesamt ergibt sich so folgende Umsatzverteilung: Werbe- und Vertriebserlöse jeweils 778 Millionen Euro (2010: je 790), Druck 297 Millionen Euro (2010: 561, damals noch mit Prinovis), sonstige Erlöse 434 Millionen Euro (2010: 408).

Damit errechnet sich der bereits gemeldete Gesamtumsatz von 2,29 Milliarden Euro, das sind bereinigt 1,2 Prozent mehr als 2010 (2,26 Milliarden). Im wahren Vorjahresvergleich weisen die G+J-Umsätze 2011 aber ein dickes Minus (10,2 Prozent) aus, denn 2010 betrugen die Erlöse eigentlich 2,55 Milliarden Euro, weil damals noch die Umsätze der Ende 2011 an die Konzernschwester Arvato verkauften Beteiligung an Prinovis mit in der Bilanz standen.

Mit anderen Worten: 2011 ist G+J durch Desinvestition deutlich geschrumpft - und vom bereits 2009 anvisierten Einstieg ins Business mit digitaler Fachinformation („Professional Publishing") als ganz neue Geschäftssäule ist immer noch nichts zu sehen. Spätestens 2014/2015 will G+J hiermit einen höheren dreistelligen Millionenumsatz generieren, hatte Vorstandschef Bernd Buchholz zuletzt im vergangenen Jahr bekräftigt.

Denn ohne nennenswerte Investitionen in neues Business, die unter der Ägide des neuen Bertelsmann-CEOs (und G+J-Aufsichtsratschefs) Thomas Rabe ungewisser denn je erscheinen, bleibt bei G+J alles wie gehabt: bestenfalls stagnierende Umsätze, kaum Wachstumsphantasie, allein durch rigides Sparen ordentliche Renditen. Eine Cash-Cow, die gemolken wird, solange es geht.

Und in der Tat, das Operating Ebit ist mit 233 Millionen Euro (2010: um Prinovis bereinigt 260) immer noch ordentlich, das heißt über Vorkrisenniveau. Den Rückgang im Vergleich zu 2010 erklärt G+J mit deutlichen Papierpreissteigerungen, höheren Entwicklungskosten für Digitalprojekte, Titelinnovationen sowie einer schwachen Markt- und Geschäftsperformance in Südeuropa und beim Druckgeschäft. Die Umsatzrendite betrug 10,2 Prozent (2010: 11,5). Das Ebit erreichte zuletzt 202 Millionen Euro (2010: 243), beeinträchtigt insbesondere durch eine Sonderabschreibung von 22 Millionen Euro auf das Anlagevermögen von Brown Printing. Der Jahresüberschuss blieb 2011 stabil bei 160 Millionen Euro. Für 2012 geht G+J von einer „weitgehend stabilen Umsatz- und Ergebnisentwicklung" aus. Der Verlag beschäftigte zum Jahresende 11.822 Mitarbeiter (2010: 11.637).

Noch ein Blick nach Deutschland, wo G+J rund 44 Prozent seiner Umsätze erzielte; 2010 waren es noch 46 Prozent. Der Anteilsrückgang dürfte vor allem am Verkauf von Prinovis liegen. Sowohl Anzeigen- als auch Vertriebserlöse wurden gesteigert. Das operative Ergebnis von G+J Deutschland erreichte einen neuen Rekordwert, schreibt der Verlag, ohne Zahlen zu nennen. Auf den Gängen kursiert die Zahl von angeblich knapp 15 Prozent Umsatzrendite.

Im Auslandsgeschäft macht weiterhin Spanien Sorgen, hier gab es ein deutlich rückläufiges Ergebnis; Österreich verzeichnete ein Umsatz- und Gewinnminus. In Frankreich konnte der Umsatz stabil gehalten und das Ergebnis leicht gesteigert werden, in den Niederlanden stieg beides deutlich. China und Indien, wo G+J nach der Mehrheitsübernahme des Maxposure-Verlages gerade mehrheitlich beim Digitalvermarkter Networkplay eingestiegen ist, wuchsen. rp/dh
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