Gruner + Jahr: Chefredakteure distanzieren sich von offenem Brief

Montag, 16. November 2009
Nicht in diesem Ton: "Brigitte"-Chef Andreas Lebert kritisiert offenen Brief
Nicht in diesem Ton: "Brigitte"-Chef Andreas Lebert kritisiert offenen Brief

Der offene Brief, mit dem die Redaktionsbeiräte von "Stern", "Geo" und "Brigitte" vor wenigen Tagen G+J-Chef Bernd Buchholz heftig attackierten, wird immer mehr zum Streitfall. Nachdem der Vorstandschef des Hamburger Verlags bereits am Freitag nach den „ehrabschneidenden und damit beleidigenden" (Buchholz) Vorwürfen eine schriftliche oder persönliche Entschuldigung eingefordert hat, gehen nun auch die Chefredakteure auf Distanz zu den Anführern des Protests. So betonen etwa die "Brigitte"-Chefredakteure  Brigitte Huber und Andreas Lebert nichts davon gewusst zu haben, dass ein solcher Brief an den Vorstand verfasst werden sollte. "Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir unseren Kolleginnen und Kollegen empfohlen, ihr Anliegen in einem anderen Ton vorzubringen", erklären die "Brigitte"-Chefs gegenüber HORIZONT.NET.

Auch Peter-Matthias Gaede, Chefredakteur von "GEO", zeigt sich wenig begeistert von der Vorgehensweise der Redaktionsbeiräte. Bei den aktuellen Umbauarbeiten im Hause Gruner + Jahr handle es sich um "redaktions- und hausinterne Angelegenheiten", die nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollten. "Wo diese Interna trotzdem und ohne mein Zutun in die Öffentlichkeit geraten sind, bedauere ich das", so Gaede gegenüber HORIZONT.NET.

Die Reaktionen der Chefredakteure lassen darauf schließen, dass Gruner + Jahr derzeit alle Hebel in Bewegung setzt, um eine öffentliche Debatte zu vermeiden und undichte Stellen zu schließen. Verlagsinterna werde man "mit den Beteiligten besprechen und nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten", lassen die "Stern"-Chefredakteure Andreas Petzold und Thomas Osterkorn unisono wissen. Auch die "Brigitte"-Chefs ziehen es nach eigenen Angaben vor, ihre "Ansichten intern im direkten Gespräch auszutauschen, anstatt öffentlich". Um das Warum wird nicht groß herumgeredet: "In schwierigen Zeiten wird allerorts um Lösungen gerungen und manchmal auch gestritten", erklären Huber und Lebert.

Aller Unruhe zum Trotz hofft "GEO"-Chef Gaede auf ein Happy End: "Meine Einschätzung: Wir schaffen das schon bei Gruner + Jahr", so Gaede. "Alles wird gut." mas / rp
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