Gruner + Jahr: Buchholz schmeißt bei Bertelsmann hin

Mittwoch, 29. August 2012
Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz wirft das Handtuch
Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz wirft das Handtuch

Gruner+Jahr-Chef Bernd Buchholz hat seinen Vorstandsposten bei Bertelsmann hingeworfen. Dies bestätigt Europas größter Medienkonzern in einer knappen Meldung. In den vergangenen Wochen hatten sich die Anzeichen über Differenzen zwischen Buchholz und Bertelsmann-CEO Thomas Rabe gemehrt. Am Freitag, 31. August, veröffentlicht Bertelsmann Halbjahreszahlen. Gruner + Jahr, das stark vom Deutschlandgeschäft abhängig ist, dürfte im 1. Halbjahr deutlich gelitten haben. Die gesamte Gattung Print hat seit Jahresbeginn mit heftigen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Der Wettbewerb im Moment ist ausgesprochen hart.

Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Bertelsmann-CEO Thomas Rabe
Nicht zuletzt deshalb dürfte die Lage und die künftige Ausrichtung von Gruner ein Thema für die Gesellschafter Bertelsmann und die Familie Jahr sein, die 25,1 Prozent der Anteile hält. Zuletzt hatte das "Manager Magazin" über Pläne berichtet, dass Bertelsmann die Familie Jahr auskaufen will. Wie Bertelsmann mitteilt, stehe der Konzern selbst weiter fest zu seinem Gruner-Engagement. Sollte der Auskauf gelingen, würde Buchholz mit der Familie Jahr jedoch ein wichtiger Verbündeter in der Auseinandersetzung mit der Zentrale in Gütersloh fehlen.

Die Beziehungen zwischen Rabe und Buchholz gelten seit Jahresbeginn als angespannt. Buchholz hatte vor, vor allem im Bereich Digitale Fachinformationen zu wachsen und wollte dsa   Marktforschungsunternehmen Youguv für 100 Millionen Euro übernehmen. Das Invest war ihm dem Vernehmen nach erst auf den letzten Metern von Rabe, seines Zeichens auch Aufsichtsratschef von G+J, abgeschossen worden. Rabes Strategie sieht vor, in neue Geschäftsfelder zu investieren, nicht unbedingt in die vor allem vom Werbemarkt abhängigen Töchter Gruner + Jahr und die RTL Group, die nach Umsatz und Ertrag Bertelsmanns wichtigstes Standbein ist (siehe auch HORIZONT 33/2012).

Buchholz hat jedoch nur sein Bertelsmann-Vorstandsmandat niedergelegt, nicht seine Position als CEO von Gruner + Jahr. Die Gesellschafter Bertelsmann und die Familie Jahr müssten Buchholz daher nun kündigen, um ihn nach seinem symbolischen Affront auch bei G+J loszuwerden - genau das dürfte nun in den kommenden Tagen erfolgen. Diesen Weg des Abgangs, der die zweistellige Millionen-Abfindung sichern dürfte, hatte zum Jahreswechsel 2008/09 auch Buchholz-Vorgänger Bernd Kundrun gewählt.

Die entscheidende Frage ist nun, wer Buchholz nachfolgen könnte. Spekuliert wird im Markt über Ove Saffe, Geschäftsführer der Spiegel-Gruppe, Rainer Esser, Geschäftsführer des „Zeit"-Verlags, Torsten-Jörn Klein, seit 2004 G+J-Auslandsvorstand, und Thomas Hesse, seit Februar 2012 Bertelsmann-Vorstand für Unternehmensentwicklung. Mehr zu diesen vier möglichen Kandidaten hier. pap
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