Grosso appelliert an G+J und Bauer "Partikularinteressen" aufzugeben

Donnerstag, 05. März 2009
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Der Bundesverband Presse-Grosso, der sich Ende Februar mit einigen aber nicht allen Großverlagen auf neue Handelsspannnen geeinigt hat, ruft die übrigen dazu auf, keine Individualregelungen zu treffen. Der Appell richtet sich an Gruner + Jahr und die Bauer Media Group, die anders als Axel Springer, Hubert Burda Media, Verlagsgruppe Klambt und Spiegel Verlag bislang keine Konditionen mit dem Verband vereinbart haben. In einer Mitteilung wirft der Grosso-Verband G+J und Bauer vor, mit verlagsindividuellen Konditionen-Modellen eine weitere Besserstellung im Markt anzustreben. Der Verband weist "mit Nachdruck die einseitig erklärten Konditionen" der beiden Medienhäuser zurück. "Die Durchsetzung von Partikularinteressen einzelner Marktpartner gefährdet die bis heute hohe Qualität und Unabhängigkeit des Pressevertriebs. Einschränkungen in der Versorgung der derzeit 120.000 Presseverkaufsstellen in der Stadt und auf dem Land sowie in der Vielfalt des Pressesortiments können dann nicht ausgeschlossen werden."

Der Presse-Grosso fordert deshalb die Verlage auf, einen Branchenkonsens zu suchen. Gemeinsame Aufgabe von Verlagen und Presse-Grosso sei gerade auch in Zeiten wirtschaftlicher Rezession die Marktpflege und die Förderung des Einzelverkaufs. Der Grosso-Vertrieb habe einen gesellschaftlichen Versorgungsauftrag, der nicht durch Konditionen-Spekulationen einzelner Verlage gefährdet werden dürfe.

Bauer hat ab 1. März mit 71 Grossisten (ohne die gekündigten Unternehmen Grade und Mügge) individuelle Vereinbarungen angeboten. "Die weitere Entwicklung hängt nun von deren Reaktionen ab", so Heribert Bertram, Bereichsleitung Handel beim Bauer-Vertrieb. G+J hatte in dem Vorschlag des Grossos eine Benachteiligung von Magazinen mit monatlicher Erscheinungsweise und hochpreisigen Zeitschriften moniert und deshalb den Konditionen nicht zugestimmt.

Auch der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) schaltet sich in die Diskussion ein und kritisiert den Appell des Presse-Grossos. "Dieser vermittelt den Eindruck, dass einzelne Verlagshäuser mit ihrer Verhandlungsposition bei den aktuellen Gesprächen über die Handelsspannen das Grosso-System gefährdeten", heißt es in einem Schreiben. Für den VDZ und die Verlage sei eine Verknüpfung der Handelsspannenthematik mit dem Vorwurf der Systemgefährdung völlig  unangemessen.

Pressevielfalt werde in erster Linie durch die Verlage gewährleistet. Der VDZ stehe hinter dem Grosso-System. Angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten die bisherigen Strukturen und Vertriebskosten allerdings nicht unverändert beibehalten werden. se
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