Grosso-Streit: Mittelständische Verlage fühlen sich diskriminiert

Freitag, 06. März 2009
Presse-Grosso: Der Streit geht weiter
Presse-Grosso: Der Streit geht weiter

Die Kritik an den Rabatttabellen, die Presse-Grosso und mehrere Großverlage ausgehandelt haben, geht weiter. Mittelständische Medienhäuser sehen sich benachteiligt und fordern den Verband dazu auf, weiterzuverhandeln. Der Egmont Ehapa Verlag („Micky Maus") betrachtet die Vereinbarungen als Verschlechterung. Alle Vorschläge von Ehapa hätten „die Vertreter des Monopols Presse-Grosso" zurückgewiesen, sagt Heinz O. Huber, Mitglied der Geschäftsleitung und Vertriebsleiter des Verlags. „Die angedrohte Konditionenverschlechterung würden bei den betroffenen Verlagen zu drastischen Maßnahmen bis hin zur Einstellung von Titeln führen." Der Verlag hat den Konditionen daher nicht zugestimmt.

Auch Delius Klasing („Yacht", „Boote") wehrt sich. „Tatsache ist, dass Konditionsverbesserungen nur für einen kleinen Anteil der deutschen Publikumszeitschriften vorgeschlagen werden, über 1.800 Titel von rund 2.500 gehen bei dem Neuvorschlag des Grosso leer aus", sagt Verlagsleiter Olaf Kleinelanghorst. Zusätzlich müssten diese Titel beziehungsweise deren Verlage künftig noch Konditionsverschlechterungen im Sonderheftbereich und bei Neueinführungen hinnehmen.

Unterstützung erhalten die Verlage vom IPS Pressevertrieb in Meckenheim, der rund 500 Presseprodukte von 150 Verlagskunden betreut. Der Vorschlag räume ausschließlich den umsatzstärksten Presseprodukten Entlastungen ein. „Darin sehen wir eine faktische Umverteilung zu Lasten mittelständischer und kleinerer Verlage, die einer Wettbewerbsverzerrung gleichkommt." Der Nationalvertrieb hält den Vorschlag des Grosso daher für nicht akzeptabel. Er begrüße es aber durchaus, dass die deutschen Grossisten „ihren Anteil an den im Presseverkauf erzielten Erlösen reduzieren wollen."

Der Bundesverband Presse-Grosso geht davon aus, dass die für fünf Jahre geschlossenen Konditionen alle Interessen, also auch die der mittelständischen Verleger, bestmöglich abbilden. Gleichzeitig macht er klar, bereits Kompromisse eingegangen zu sein. „Noch stärkere Anpassungen gefährden die Leistungskraft des Pressevertriebs gerade auch für das Vertriebsmarketing für Zeitschriften mit kleinen und mittleren Auflagen."

Der Grosso-Verband drängt auf eine Konsenslösung. Er hat Verlage, die der Vereinbarung nicht zugestimmt haben, dazu aufgerufen, keine individuellen Vereinbarungen zu treffen. Medienunternehmen wie Bauer und G+J, die nicht zugestimmt haben, „streben jeweils eine weitere Besserstellung im Markt mit verlagsindividuellen Konditionen-Modellen an", so der Vorwurf. Dadurch könne der Versorgungsauftrag des Grosso-Vertriebs gefährdet werden. se
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