Grosso-Streit: Bauer und Carlsen vertragen sich wieder - aber warum?

Montag, 02. November 2009
Bauer hat sich mit dem Grossisten Carlsen geeinigt
Bauer hat sich mit dem Grossisten Carlsen geeinigt

Kommando zurück: Die Bauer Media Group wird ihre Zeitschriften in Kiel weiterhin über den dort ansässigen Presse-Großhändler Carlsen ausliefern lassen. Man habe sich mit Carlsen "über die zukünftige Zusammenarbeit verständigt", teilt Bauer mit. Anfang dieses Jahres hatte der Großverlag dem Grossisten die Auslieferung der Titel ab 2010 ohne Angabe von Gründen gekündigt - nach über 70-jähriger Zusammenarbeit. Hintergrund dafür war offenbar Bauers Ansicht, dass Carlsen die Pressedistribution nicht mehr effektiv und effizient betreibe. Und warum nun die Kehrtwende? Die Entscheidung für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Grossisten Carlsen beruhe „auf dessen Neuausrichtung in den letzten Monaten". So habe Carlsen „in Personal und Systeme investiert und neue, innovative Prozesse aufgesetzt". Beobachter vermuten indes auch andere Gründe: So hatte Bauer nach der Carlsen-Kündigung die Distribution seiner Zeitschriften in Kiel unter benachbarten Grossisten und pressefernen Logistikunternehmen neu ausgeschrieben. Vertriebskreisen zufolge hielten sich andere Grossisten mit ihren Bewerbungen für das weitläufige Gebiet um Kiel und Flensburg jedoch eher zurück, und presseferne Unternehmen haben vermutlich kaum überzeugen können.

Ein weiterer möglicher Grund für die Wiederannäherung zwischen Bauer und Carlsen: Die Grosso-Landschaft mit ihren bundesweit bislang 73 Betrieben steht wegen sinkender Umsätze und steigenden Kostendrucks vor einer Konsolidierung. Und Bauer ist der Verlag, der am lautesten Zusammenschlüsse von Grossisten fordert - und damit Effizienzgewinne und letztlich bessere Konditionen für die Verlage. Manche Beobachter sehen in der jüngsten Einigung daher den Vorboten einer Grossistenfusion im Norden. Unklar ist allerdings, auf welche Weise sich mögliche Effizienzgewinne auf Grossistenebene für Bauer und andere Verlage zeitnah auszahlen könnten, denn die im März dieses Jahres abgeschlossenen Handelsspannenverträge laufen nun erstmal drei (Bauer) bis fünf (andere Verlage) Jahre. Nach Angaben von Bauer und Carlsen wurden jetzt keine neuen Konditionen vereinbart.

Im Norden ist Bauer mit seinem eigenen Grossisten, dem Pressevertrieb Nord (PVN), unterwegs. PVN liefert die Titel Bauers und einiger anderer Verlage in Hamburg aus - und neuerdings auch die Bauer-Titel in Stade und Elmshorn. Auch den dortigen Grossisten Mügge (Stade) und Grade (Elmshorn) hatte Bauer gekündigt, allerdings ohne die Gebiete wie in Kiel neu auszuschreiben. Stattdessen hat PVN den Bauer-Vertrieb in diesen Nachbargebieten kurzerhand selbst übernommen. Mügge und Grade haben anschließend gegen ihre Kündigung geklagt - und vor den Landgerichten Kiel (Grade) und Hannover (Mügge) recht bekommen. Bauer ist dagegen in Berufung gegangen. rp
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