Grosso-Streit: Bauer fordert Wettbewerb statt Staatseingriffe

Dienstag, 24. Februar 2009
Heinz Bauer
Heinz Bauer

Der Großverleger greift zur Feder: Heinz Bauer schaltet sich in die aktuelle Debatte um die Leistungsfähigkeit und Konditionen des deutschen Presse-Großhandels ein - mit einem Brief an die Politik. Mit dem Schreiben an die medienpolitischen Sprecher der Bundestagfraktionen reagiert Bauer offenbar darauf, dass mittlerweile auch die Regierung auf den Zank zwischen Verlagen und dem Grosso-Verband aufmerksam geworden ist. So hat Kulturstaatsminister Bernd Neumann die Streithähne für Ende März zum Gespräch nach Berlin gebeten. In seinem Brief an die Parlamentarier, der HORIZONT.NET vorliegt, wehrt sich Bauer „nachdrücklich gegen die Bestrebungen des Grosso-Verbandes, den Gesetzgeber zum Eingreifen aufzurufen". Staatliche Eingriffe wären der falsche Weg und kontraproduktiv. Meinungsvielfalt und -verbreitung seien nur dann gesichert, wenn die Verbreitung von Presse frei von staatlichen Eingriffen erfolgen könne. Entgegen der Behauptung der Großhändler, die bislang meist über Gebietsmonopole verfügen, führe ein Wettbewerb „moderner, starker und leistungsfähiger Grosso-Unternehmen nicht zu weniger, sondern zu mehr Pressefreiheit", so Bauer. Die Kosten der Verlage würden deutlich sinken; dieses ermögliche ihnen, stärker als bisher in neue Produkte zu investieren.

Bauer wehrt sich auch gegen den angeblichen Versuch des Grosso-Verbandes, „den Verlagen, insbesondere der Bauer Media Group, vorzuwerfen, das Vertriebssystem in Frage zu stellen". Dies stelle die Tatsachen auf den Kopf: Seine Kündigung dreier Grossisten und andere Maßnahmen sollten das System im Gegenteil stärken. Denn „angesichts der dramatischen Wirtschaftslage muss auch das Grosso seinen Beitrag zur Kostensenkung leisten und kann nicht am Status Quo der vergangenen Jahrzehnte festhalten", so Bauer.


Hintergrund sei die „bedrohliche Situation", in der sich die Verlage angesichts der Wirtschaftskrise befänden: Schon im Jahr 2008 hätten die Verlage im Anzeigenbereich „Einbussen im dreistelligen Millionenbereich" hinnehmen müssen. „2009 droht sich die Lage mit weiteren Verlusten in der Größenordnung von mindestens 20 Prozent weiter zu verschlechtern". Auch bei den Vertriebserlösen müssten „deutliche Einbrüche" verzeichnet werden, schreibt Bauer - und nennt für sein Haus Zahlen: Zwischen 2003 und 2008 sei der Grosso-Umsatz des Verlages um 15,9 Prozent zurückgegangen, der Grosso-Roherlös mit Bauer-Titeln jedoch nur um 8,6 Prozent. Bauer: „Der Verlag, also der Marktpartner mit einem Warenrisiko, verliert prozentual fast doppelt so viel wie die Marktteilnehmer ohne unternehmerisches Risiko." Letztlich trügen die Verlage die Monopolgewinne der Grossisten mit Umsatzrenditen von bis zu 20 Prozent.Daher müsse auch über die bisherige Alleinauslieferung der Grossisten gesprochen werden. Hier verweist Bauer auf Hamburg, wo zwei Betriebe „um die Gunst der Verlage konkurrieren" - mit dem Ergebnis, dass die Verlage hier im Durchschnitt 10 bis 20 Prozent weniger Grosso-Spanne zahlten als in anderen Gebieten. rp
Meist gelesen
stats