Griechische Regierung schaltet staatlichen Rundfunk ab

Mittwoch, 12. Juni 2013
Die Einstellung von ERT war das bestimmende Thema in den griechischen Medien
Die Einstellung von ERT war das bestimmende Thema in den griechischen Medien


Es klingt wie eine Zwangsmaßnahme aus einer anderen Epoche: Die griechische Regierung hat den staatlichen Rundfunk ERT in der Nacht zum Mittwoch kurzerhand geschlossen. Kurz nach Mitternacht blieben in Griechenland die Bildschirme schwarz. Der Staatsrundfunk sei ein typischer Fall von Intransparenz und Verschwendung, begründeten die Behörden den radikalen Schritt. Fast 3000 Mitarbeiter verlieren ihren Job.
Quasi im Handstreich haben die griechischen Behörden den staatlichen Rundfunk ERT eingestellt. Kurz nach Mitternacht Ortszeit wurden drei landesweite Fernsehsender, sieben nationale Radioprogramme und 19 regionale Hörfunksender kurzerhand abgeschaltet. Die Sender hatten gerade noch genug Zeit, ihr eigenes Ende zu verkünden.

Ein Regierungssprecher begründete die unglaublich klingende Maßnahme mit den hohen Kosten und den verkrusteten Strukturen des staatlichen Rundfunks: "ERT ist ein typischer Fall einer einzigartigen Intransparenz und unglaublicher Verschwendung. Und das endet heute." Es dürfe keine heiligen Kühe geben, die nicht geschlachtet werden können, wenn überall gespart wird.

Die Kosten des Rundfunks lagen bei rund 300 Millionen Euro im Jahr. Zum Vergleich: Größere ARD-Anstalten wie der WDR, der NDR oder SWR haben ein jährliches Budget von jeweils rund 1 Milliarde Euro. Die Angaben zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter schwankt zwischen 2600 und 2900. Die Regierung will in den kommenden Monaten einen neuen, deutlich verschlankten staatlichen Rundfunk mit rund 1000 Mitarbeitern aufbauen.

Die Einstellung von ERT stieß auf heftige Kritik: Der griechische Ökonom Yanis Varoufakis nannte den Schritt "barbarisch". Noch am Abend versammelten sich Rundfunk-Mitarbeiter vor der ERT-Zentrale. Für den heutigen Mittwoch hat die griechische Journalistengewerkschaft alle Beschäftigten der Medienbranche zu einem Streik aufgerufen. dh
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