Grey-Chef Uli Veigel: "Zeitungen verkaufen sich unter Wert"

Dienstag, 25. September 2012
Grey-CEO Uli Veigel redet den Zeitungsverlegern ins Gewissen
Grey-CEO Uli Veigel redet den Zeitungsverlegern ins Gewissen


Christian Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ Mediengruppe, mag kein Blitzlichtgewitter. Geistreiche Gesprächspartner sind ihm lieber – und als solche könnten auch die Zeitungen künftig den Kampf um Aufmerksamkeit gewinnen. „Wir sollten nicht versuchen, etwas zu sein, was wir nicht sind, und uns besser auf unsere Kernkompetenz besinnen. Die große Show überlassen wir den Kollegen von TV und Youtube“, sagte der Essener beim BDZV-Zeitungskongress in Berlin.
Doch auch ohne Show: Ein besseres Gattungsmarketing würde der Zeitungsbranche nicht schaden, wie Uli Veigel, Chairman und CEO Grey Germany, in seiner Keynote zur Eröffnung des zweiten Kongresstages betonte. Aus Sicht des Agenturmanagers ist die Krise der Zeitungen teilweise hausgemacht. Grund: „Zeitungen sind immer unglaublich ehrlich und verkaufen sich teilweise unter Wert", sagte der Chairman und CEO Grey Germany. Verleger und Geschäftsführer sollten Zeitungen als Dachmarke verstehen und in ein Marketing investieren, das die Gattung selbst in den Mittelpunkt stellt. Denn Marken müssten wieder lernen, wie Menschen zu denken, und hier sei die Zeitungsbranche immerhin weit voraus. „Das ist Ihr Tagesgeschäft.“

Doch auch im Lokalen dürften sich die Zeitungen nicht ausruhen. Zwar seien sie hier aufgrund der überschaubaren Größe sehr nah an der Zielgruppe und könnten vor allem durch Authenzität, Glaubwürdigkeit und Seriösität in einer immer volatileren Gesellschaft Orientierung geben. „Aber unterschätzen Sie nicht die Gefahr, die im Lokalen lauert. Schnell kommt ein großer Player aus dem Netz, und übernimmt Ihre Rolle. Darauf müssen Sie vorbereitet sein“, so Veigel weiter. Der Grey-Chef riet den Verlegern und Geschäftsführern, auf Beziehungsmanagement mit den Lesern zu setzen und sie als Sparringspartner zu betrachten. „Wenn man es falsch macht, kann der Kunde eine Bedrohung darstellen, wenn Sie es richtig machen, fühlt er sich wie ein König. Das ist eine unglaubliche Chance.“

Gattungsmarketing also und die Rückbesinnung auf die Kernkompetenz – für WAZ-Chef Nienhaus dennoch nicht die einzigen To-Do’s. Beim Kampf um Aufmerksamkeit mache den Verlagen vor allem die Kostenloskultur zu schaffen, mit der man bei der neuen Art des Zeitungslesens im Internet zu tun habe. „Wir müssen so weit kommen, dass wir unseren Lesern auch an dieser Stelle unser Geld wert sind“, forderte Nienhaus. kl
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