"Grenze der Meinungsfreiheit überschritten": Presserat rügt Papst-Cover der Titanic

Freitag, 28. September 2012
Das umstrittene Titanic-Cover aus dem Juli wurde zwischenzeitlich mehrfach verändert
Das umstrittene Titanic-Cover aus dem Juli wurde zwischenzeitlich mehrfach verändert

Der Deutsche Presserat hat das umstrittene Papst-Cover der Satirezeitschrift "Titanic" mit einer öffentlichen Rüge belegt. Die Darstellung des Pontifex, die ihn mit einem großen Urinfleck auf der Soutane zeigte, sei "entwürdigend und ehrverletzend", urteilte das Gremium. Hierdurch werde Ziffer 9 des Pressekodex verletzt, welche den Schutz der persönlichen Ehre vorschreibt. Zwar habe Satire "die Freiheit, Kritik an gesellschaftlichen Vorgängen mit den ihr eigenen Stilmitteln wie Übertreibung und Ironie darzustellen", heißt es in der Begründung des Presserates. Im vorliegenden Fall sei die Grenze der Meinungsfreiheit jedoch überschritten worden, da Papst Benedikt durch die befleckte Soutane der Lächerlichkeit preigegeben worden sei. Insgesamt hätten 182 Beschwerden zu dem Fall vorgelegen.

Das Cover mit dem Titel "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden" aus dem Juli spielte auf die so genannte Vatileaks-Affäre, bei der über einen Vertrauten des Papstes vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gelangten. Der Presserat sah durch das Cover jedoch keinen Sachbezug zur Rolle des Papstes in der Affäre gegeben.

Papst Benedikt hatte gegen das Titelbild zunächst eine Unterlassung erwirkt, die Titanic legte Widerspruch ein. Zu einer gerichtlichen Klärung des Streits kam es jedoch nicht mehr, weil der Vatikan seine einstweilige Verfügung Ende August zurückzog. ire
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