Gottschalk und der Schleichwerbevorwurf: Wie das ZDF um Glaubwürdigkeit kämpft

Montag, 14. Januar 2013
Ließ sich Thomas Gottschalk von Werbepartnern reinreden?
Ließ sich Thomas Gottschalk von Werbepartnern reinreden?

Schwere Vorwürfe gegen Thomas Gottschalk und das Zweite Deutsche Fernsehen: Der TV-Entertainer soll als Moderator der ZDF-Show „Wetten, dass…?“ über Jahre Schleichwerbung betrieben haben. Wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, hat die 1999 von Thomas Gottschalks Bruder Christoph Gottschalk gegründete Firma Dolce Media zahlungswilligen Unternehmen die Möglichkeit geboten, für Millionensummen verbotene Werbung in Deutschlands populärster Fernsehshow "Wetten, dass ..?" zu platzieren. Da dies laut Rundfunkstaatsvertrag verboten ist, hat nun unter anderem der Deutsche Journalisten-Verband vom ZDF eine lückenlose Aufklärung gefordert. Das Zweite will in einer ersten Reaktion zwar nichts von einer Einflussnahme Dritter wissen, verspricht allerdings, den Vorwürfen nachzugehen. Die Vorwürfe des "Spiegel" sind anscheinend alles andere als aus der Luft gegriffen. Dem Nachrichtenmagazin liegen Verträge vor, die die Gottschalk-Firma mit den Firmen DaimlerChrysler und Solarworld abgeschlossen hat. Diese belegen laut "Spiegel", dass die redaktionelle Unabhängigkeit des ZDF systematisch untergraben wurde. So wurde offenbar DaimlerChrysler zugesichert, dass die Anmoderation für ein in "Wetten, dass ..?" präsentiertes Sondermodell der Mercedes A-Klasse "zwischen den Parteien einvernehmlich festgelegt" werden sollte. Zudem versprach Dolce Media dem Stuttgarter Autobauer eine durchschnittliche On-Air-Präsenz von 45 Sekunden pro Sendung. Sogar detaillierte Regieanweisungen, wie genau das Auto zu präsentieren sei, seien in der Vereinbarung zu finden, die DaimlerChrysler dem Bericht zufolge 1,25 Millionen Euro pro Jahr plus ein Gratisauto für Thomas Gottschalk wert war.

Der DaimlerChrysler-Konzern, der 2007 in Daimler AG umbenannt und von Audi als Kooperationspartner von "Wetten, dass ..?" abgelöst wurde, sieht bei sich selbst kein Fehlverhalten. Aus damaliger Sicht sei das "ein ganz normaler Vorgang" gewesen, zitiert der "Spiegel" Daimler-Konzernsprecher Jörg Howe. So habe in den Verträgen explizit gestanden, dass "Dolce Media aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit dem ZDF" gewährleiste, dass der Rundfunkstaatsvertrag sowie die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des ZDF voll eingehalten würden. "Darauf mussten wir uns verlassen", reicht Howe den schwarzen Peter an das Zweite weiter.

"Klarer Verstoß": DJV-Chef Michael Konken
"Klarer Verstoß": DJV-Chef Michael Konken
Der Mainzer Sender gerät wegen der Angelegenheit unterdessen zunehmend unter Druck. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, dann wäre das aus Sicht von Michael Konken, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands, nicht nur "ein Anschlag auf die Redaktionsarbeit des Senders, sondern auch illegale Schleichwerbung in Reinform und ein klarer Verstoß gegen die geltenden Rundfunkstaatsverträge“. Daher müssten die Vorgänge zügig aufgeklärt werden, fordert Konken.

Das ZDF hat unterdessen angekündigt, den "Spiegel"-Vorwürfen nachzugehen, bemüht sich aber in einer ersten Reaktion bereits um Schadensbegrenzung. "Dem ZDF liegen keine Erkenntnisse darüber vor, dass im Zusammenhang mit der Präsentation von Gewinnspielpreisen Schleichwerbung bei Wetten, dass..? stattgefunden hat", teilt der Sender auf Anfrage von HORIZONT.NET mit. "Einflussnahme von Dritten auf redaktionelle Entscheidungen gab es nicht", so der Sender weiter, der nach eigenen Angaben bereits 2004 strenge Regeln zur Verhinderung von Schleichwerbung eingeführt hat.
Dolce Media sei überhaupt nicht berechtigt gewesen, das ZDF gegenüber Dritten zu verpflichten. Die Firma hatte laut ZDF lediglich den Auftrag, Marken- und Merchandisingrechte etwa an der Verwendung des "Wetten, dass..?"-Titels zu vermarkten sowie Gewinnspiele zu akquirieren. Die Preise würden im Rahmen der rechtlichen Rahmenbedingungen für Gewinnspiele präsentiert. "Auf die Einhaltung wacht die Clearingstelle des ZDF", heißt es in der Stellungnahme weiter.

Eine Vermarktung von Markenrechten und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gebe es heute nicht mehr. Für die Vermarktung der "Wetten, dass..?"-Lizenzen sei heute ZDF-E laufe im Sommer 2013 aus. mas
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