Gottschalk über sein Quoten-Tief: "Ich verzweifle nicht"

Freitag, 03. Februar 2012
Thomas Gottschalk bittet um Geduld für das neue Format
Thomas Gottschalk bittet um Geduld für das neue Format
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Erst seit zwei Wochen läuft Thomas Gottschalks Talk im ARD-Vorabend. Die Quoten sind mehr als enttäuschend. Nur 1,4 Millionen Zuschauer schalteten am gestrigen Donnerstagabend "Gottschalk Live" ein, das reicht für gerade mal 5,1 Prozent Marktanteil. Der Moderator bemüht sich nun um Zweckoptimismus. "Ich verzweifle nicht, wenn das noch eine ganze Zeit weiter rauf und runter geht", schreibt er in einem Beitrag für Bild.de. "Letzte Woche bin ich mit meiner neuen Vorabendshow quotenmäßig Achterbahn gefahren, diese Woche U-Bahn. Nächste Woche, so Gott und die Zuschauer wollen, geht es ja vielleicht mit der Bergbahn nach oben", schreibt der Moderator. Der blonde Hühne, der mit "Wetten, dass...?" im ZDF jahrelang große Quotenerfolge eingefahren hat, räumt ein, dass ihn ein Anruf von ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut zurück zu kommen, vielleicht schwach gemacht hätte. Das ZDF sucht seit einem dreiviertel Jahr nach einem Moderator für sein Vorzeigeformat. "Aber er hat nicht angerufen und ich habe nicht gewackelt", schreibt Gottschalk. "Wir versuchen das, wonach alle geschrieben haben: Etwas ganz Neues. Und das kann dauern", bittet er um Geduld. Auch seitens der Presse, die ihn mit Standing Ovations bei "Wetten, dass...?" verabschiedet habe und nun über seinen Mißerfolg im Ersten ätzt. "Ich weiß nicht, zum wie vielten Mal mir das in meiner Karriere jetzt passiert. Jedes Mal habe ich mir geschworen: Beim nächsten Mal ist mir das einfach wurscht."  Er glaube, er sei nun alt genug, um diesen Vorsatz auch in die Tat umzusetzen. 

"Noch bin ich davon total begeistert", schreibt er über sein Format, "und in der Hoffnung, dass das Publikum das auch irgendwann so sieht, gehe ich mit großer Begeisterung am Montag wieder in mein Wohnzimmerstudio. Das Leben eines Showmasters ist ein wunderbares!", schließt er. 

"Gottschalk Live" läuft seit 23. Januar von Montag bis Donnerstag um 19.20 Uhr im Ersten. Die ARD hat seit Jahren große Probleme mit der Vorabendschiene, die vor allem für die Werbevermarktung wichtig ist. Gottschalk zu verpflichten, war intern wie extern eine umstrittene Entscheidung, wurde von den meisten Medien jedoch mehrheitlich bejubelt. Die Mediaagenturen zeigten sich dagegen von Anfang an überwiegend skeptisch, ob es dem Moderator gelingen würde, auch die jüngeren Zuschauer anzusprechen (HORIZONT 29/2011 und 1/2012). Die Werbeblöcke von "Gottschalk Live" waren zum Start trotz eines ambitionierten Pricings trotzdem gut gefüllt. Die Platzierung der Spots löste jedoch bei den Zuschauern großen Unmut aus.

In der Vergangenheit hat die ARD sehr aktionistisch am Vorabend herumgebaut, sobald ein Format nicht reüssierte. In der Pressekonferenz zu seiner neuen Show sprach Gottschalk davon, dass er über März hinaus derzeit keine Pläne habe. Das wirft die Frage auf, wie lang die ARD an ihrem Talker festhalten wird. Nicht nur im Ersten, auch bei den Privatsendern wird neuen Formaten immer weniger Zeit eingeräumt, im Zuschauermarkt Fuß zu fassen. pap
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