"Gottschalk Live": Ein Telefonat, zwei Deutungen

Freitag, 23. März 2012
Noch guter Dinge: Thomas Gottschalk mit Volker Herres und Vorabendkoordinator Frank Beckmann
Noch guter Dinge: Thomas Gottschalk mit Volker Herres und Vorabendkoordinator Frank Beckmann


Das Ringen um die Zukunft von "Gottschalk Live" geht weiter. In einem Telefonat habe ihm ARD-Programmdirektor Volker Herres versichert, dass er hinter der Sendung stehe, berichtet Thomas Gottschalk. Herres selbst äußert sich deutlich zurückhaltender zur Zukunft der Sendung. "Volker Herres hat mir heute nochmals versichert, dass er hinter der Sendung steht, wenn sich bis Ende April die inhaltliche Qualität verbessert und es bei den Quoten wieder einen Aufwärtstrend gibt. Ich habe keinen Anlass, an dieser Zusage des ARD-Programmdirektors zu zweifeln", gibt Gottschalk den Inhalt des Telefonats gegenüber der "Bild" wieder. Bei Herres hört sich der Tenor schon deutlich anders an: "Ich habe ihn erinnert, dass unser Ziel mindestens zehn Prozent sind und jetzt rasch ein starker Trend nach oben gehen muss. Ansonsten tue sich die ARD bei einer Entscheidung über die Fortsetzung der Sendung schwer."

Intern soll Herres inzwischen ganz andere Töne anschlagen: In einem Brief an die amtierende ARD-Vorsitzende Monika Piel soll Herres gefordert haben, dass die Absetzung von "Gottschalk Live" auf die Tagesordnung einer Telefonkonferenz der Intendanten am Montag gesetzt wurde. Piel, die Gottschalk zur ARD geholt hat, weigerte sich. Herres brachte das Thema dennoch zur Sprache. Gestern sickerte durch, dass sich eine Mehrheit der Intendanten in der Diskussion für eine Absetzung der Sendung ausgesprochen habe.

Offenbar ist über die Sendung inzwischen ein handfester Streit innerhalb der ARD ausgebrochen: Während WDR-Intendantin Piel unbedingt an Gottschalk festhalten will, scheint Programmdirektor Volker Herres ein schnelles Aus zu favorisieren. Gottschalk selbst verbreitet weiter Zweckoptimismus. Gestern Abend deutete er den ARD-internen Streit in seiner Sendung an: "Es gab da so eine Eigentümerkonferenz und da wollten ein paar das Ding gleich wieder einreissen und die Räumlichkeiten dann doch lieber an eine Behörde vermieten. Aber dann haben die Investoren ein Machtwort gesprochen und jetzt ist wieder Ruhe. Ich hab mit all dem nichts zu tun. Ich bin nur der Hausmeister."

Die Zuschauerzahlen von "Gottschalk Live" befinden sich nach einem positiven Trend zu Anfang der Woche bereits wieder im Sinkflug: Gestern hielt sich die Sendung mit 1,06 Millionen Zuschauern nur knapp über der Millionenmarke. Der Marktanteil lag bei 4,2 Prozent. dh
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