Googorola: Vier Gründe, warum Google Motorola Mobility übernimmt

Dienstag, 16. August 2011
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Radikaler Strategieschwenk bei Google: Die Übernahme der Mobility-Sparte (Handy, Tablet) des Mobilfunkpioniers ist nicht nur die größte Akquise in der Historie des Suchmaschinengiganten. Es ist auch ein massiver Angriff auf die Erzrivalen Microsoft und Apple. Und die Abkehr der bisherigen Firmenpolitik. Vier Gründe, warum der Deal für Google Sinn macht - und was er bedeutet.

Milliarden-Deal: Google kauft Motorola

Milliarden-Deal: Google kauft Motorola
Paukenschlag im Mobile-Markt: Google übernimmt die Handy- und Tabletsparte von Motorola. Die Unternehmensspitzen haben dem Deal bereits zugestimmt. Sollten auch die Wettbewerbshüter grünes Licht geben, verleibt sich der Suchmaschinen-Riese eine der großen Traditionsmarken im Markt für Mobiltelefone ein. Motorola hatte bereits 1983 mit dem Dynatac das erste Handy vorgestellt. weiterlesen

1. Der Mobile-Hype. Mobile ist das nächste große Ding. Seit Jahren rätselt und wartet die Branche darauf, dass die Prophezeiungen der Mobile-Evangelisten Realität werden. Der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt hat in seiner Amtszeit immer wieder betont, von welcher Relevanz Mobile für das Google-Business ist. 2013 wird die Internet-Nutzung über Smartphones das Websurfen mittels stationärer Computer erstmals überholen - spätestens dann schlägt die Stunde für Mobile-Unternehmen (Serviceanbieter, Werbung, Location Based Services und vieles mehr). Mit Android ist Google bereits jetzt schon für diese Epoche gut gerüstet - doch der Motorola-Deal ist zugleich ein wichtiger „milliardenschwerer Befreiungsschlag", so FAZ.net, für die Dominanz auch auf diesem Markt.

2. Patente, Patente, Patente. Googles Handysoftware Android ist der große (und nach Marktanteile auch größere) Gegenspieler zu Apples iOS. 150 Millionen Geräte arbeiten derzeit auf Android-Basis, täglich kommen 550.000 neue hinzu. Doch als relativer Jungspund auf dem Mobile Markt hat Google zum einen vergleichsweise wenige Patente vorzuweisen, sieht sich auf der anderen Seite aber einer Reihe von Patentklagen gegenüber, bei denen es um Milliarden Dollar geht. Motorola wiederum hat zwar noch einen guten Namen. Doch der einstige Pionier ist inzwischen ein Mitläufer, aber einer, der immerhin über 17.000 Patente verfügt. Das ist ein solides Pfund bei den diversen Patentstreits. Für  Larry Page, so schreibt der Google-Chef, sogar einer der wichtigsten Gründe der Akquise - als Instrument,  Android von den Angriffen von Apple, Microsoft und anderen zu schützen.

3. Im Kampf gegen Apple grüßt die Apple-Philosophie. Der eine oder andere wird sich noch daran erinnern: Nexus One war der erste halbherzige Versuch von Google, als Hardwareproduzent auf dem Mobile-Markt zu agieren. Wegen Erfolglosigkeit wurde der Online-Store des Handys im vergangenen Jahr geschlossen. Mit der Motorola-Erfahrung im Hintergrund mutiert Google nun im zweiten Anlauf zum Hard- und Softwareproduzenten. Erzrivale Apple exerziert seit Jahren erfolgreich vor, wie man mit diesem Prinzip - und stylischen Produkten und Marketing - auch auf ursprünglich unternehmensfremden Märkten (Musik, Telefonie) ungemein erfolgreich sein kann. Doch im Gegensatz zu Apple - das auch heute noch fälschlicherweise auf extravagantes Exklusivitätsgehabe Wert legt, obwohl das Unternehmen längst im Massenmarkt angekommen ist - wird Google von vornherein den Massenmarkt anpeilen. Mit seiner eigenen Hardware-Plattform macht sich Google zudem auch unabhängig von den Entwicklungen anderer Handyproduzenten wie Samsung oder Sony Ericson (derzeit Google-Partner und die ersten Claqueure  des Deals). Ob die Marke Motorola erhalten bleibt? Darüber kann nur spekuliert werden. In seinem Blog beschreibt sich Larry Page als großer Motorola-Fan. Aber: Google ist trotz oder wegen seiner Marktmacht immer noch eine der Lovemarks dieser Epoche, Motorola war dies einmal.

4.Google vs. Apple vs. Microsoft (vs. Facebook). Googles Corporate-Statement „Don't be evil" ist ein wirklich sympathisches Unternehmensstatement. Und ja -  die Google-Suche bereichert nicht nur das virtuelle Leben der Menschen seit Jahren in einem kaum für möglich gehaltenen Art und Weise. Aber man darf sich nichts vormachen: Das Netz mag dank Google, Facebook, Twitter und anderen Demokratie bereichern, in anderen Ländern erst ermöglichen. Doch mit der Motorola-Übernahme versucht ein in Teilbereichen monopolistisches Unternehmen seine Marktmacht auszubauen - nicht für den Siegeszug der Internet-Demokratie, sondern für den Aktienkurs/Gewinn des Unternehmens. vs
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