Google: Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau wünscht sich Werbewirkungsnachweise

Freitag, 08. Oktober 2010
Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau
Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau

Die Diskussion um die Wirkung von Display-Werbung im Internet, die zuletzt Burda-Vorstand Philipp Welte in einem HORIZONT-Interview befeuert hat, erreicht jetzt sogar Google. So wünscht sich Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, dass Google nicht nur in neue technische Anwendungstools investieren möge, sondern auch in den Nachweis der Werbewirkung von Display-Ads im Internet - und zwar über das Zählen von Klicks hinaus. „Wir brauchen mehr Beweise", sagte Blau auf dem World Editors Forum (WEF). Das jährliche Treffen internationaler Chefredakteure fand in dieser Woche in Hamburg statt. Dort hatte zuvor sein Print-Kollege Giovanni di Lorenzo auf die bisher unzureichende Refinanzierbarkeit journalistischer Internetangebote hingewiesen.

Die Hoffnung Blaus: Da Presse-Sites in Sachen Reichweite mit ebenfalls werbungführenden Funktionsportalen wie T-Online und Web.de nicht mithalten könnten, müssten journalistische Angebote qualitative und umfeldbezogene Wirkungsargumente liefern. Dieser Gedanke ist für Verlage nicht neu - doch waren die Adressaten bisher nicht die Forscher von Google, sondern die der eigenen Vermarkter. Doch auch Google habe ein Interesse, dass Presse-Angebote im Web eine wirtschaftliche Grundlage haben, argumentiert Blau mit Blick auf Google News.

Apropos Google News: Hier wünscht sich Blau mehr Transparenz bei den Kriterien, nach denen die Textschnipsel und -links im Ranking gelistet werden. Dabei sollten auch die allseits bekannten „Optimierungstricks" einberechnet werden. Darauf angesprochen, verweist Madhav Chinnappa, Strategic Partner Development Manager bei Google News & Books, auf die „komplexe Technik", die hinter Google News stehe.

Auf eine zweite Anregung Blaus antwortet Chinnappa programmatischer. Blau wünscht sich mit Blick auf Googles Videoportal Youtube, dass sich Google nicht nur als Technologiefirma verstehen möge, sondern auch als moderierende Plattform. „Wir erhalten zu unseren Inhalten auf allen Kanälen Feedback - Youtube, Facebook, Twitter", erklärt Blau: „Die User-Kommentare zu unseren Youtube-Inhalten sind die qualitativ schlechtesten." Das liege wohl daran, dass User auf Youtube „den Eindruck haben, als sei dort niemand zuhause".

Daher wünscht sich Blau auf dem Videoportal eine redaktionelle Pflege der Kommentare durch Youtube. Google-Manager Chinnappa widerspricht: Youtube sei und bleibe eine offene Plattform. Und vielleicht sei für die Qualität der Kommentare ja auch die Qualität der hochgeladenen Inhalte verantwortlich. Für Verlage sei Content- und Kommentarpflege auf ihren Sites die richtige Strategie, doch für Google als Technologieunternehmen, das bei den Userzahlen zudem mit ganz anderen Größen hantiere, gelte dies nicht. rp
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