Google Plus: Wie der Internetriese das soziale Netzwerken revolutionieren will

Mittwoch, 29. Juni 2011
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Erst kürzlich hatte Googles ehemaliger CEO Eric Schmidt lobende Worte für den größten Konkurrenten übrig: "Facebook hat einige Dinge getan, die ich bewundere", sagte Schmidt auf der Konferenz All things digital Anfang Juni. Mit dem sozialen Netzwerk Google Plus will der Internetriese nun Facebook Paroli bieten. Bislang schien es, als sei Google immer einen Schritt langsamer als der große Wettbewerber Facebook. Das Team um Marc Zuckerberg perfektionierte nicht nur das soziale Netzwerken im Internet, sondern erfand mit dem Like-Button ein mittlerweile auch für Marketer unersetzliches Tool. Letzteres versuchte Google mit der +1-Schaltfläche zu kontern. Nun will der Konzern - nachdem vorangegangene Versuche mit Google Buzz und Orkut wenig erfreulich verliefen - auch die Praxis des Social Networking revolutionieren: "Verglichen mit unserem persönlichen Umgang im Alltag funktioniert es online nicht so gut, sich Dinge mitzuteilen. Man könnte sagen, das Teilen von Inhalten im Web ist noch fehlerhaft. Unser Ziel ist es, das zu ändern", ließ Google in einer Mitteilung verlauten. Ein klarer Seitenhieb auf Facebook.

Momentan bietet Google den Service nur ausgewählten Personen an, die über eine Einladung an dem "Feldversuch" teilnehmen können. Wer Google Plus nutzen möchte, braucht ein Google-Konto, als Basis für die Freundesliste dient das Adressbuch von Google Mail. Seinen Angriff auf Facebook bestreitet Google mit einigen Features, die zum einen das Netzwerken vereinfachen sollen und zum anderen die große Stärke von Google, die Suchfunktion, miteinbeziehen sollen.

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Circles: Google Plus setzt daran an, Kontakte anders aufzuteilen als Facebook. Während dort erst einmal jeder unter dem Label "Freund" gespeichert wird, lässt Googles Netzwerk den User seine Kontakte in bestimmte Circles (Kreise) einteilen: Freunde, Verwandten, Kollegen. Damit sollen Informationen nur den Leuten zur Verfügung stehen, für die sie gedacht ist.

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Sparks: Umgekehrt soll der Nutzer jederzeit Neuigkeiten aus den Bereichen erhalten, die er unter seinen Interessen angibt. Dafür hat Google sich den Feed "Sparks" einfallen lassen: Über den integrierten Suchdienst können gewisse Inhalte als interessant markiert und mit den Circles geteilt werden. Die Freunde, die sich für ein ausgewähltes Thema nicht interessieren, bekommen die über Sparks geteilten Statusmeldungen nicht angezeigt. Der Vorteil laut Google: Keine "ungewollte Flut an überflüssigen Informationen."

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Hangouts: Der Chat-Funktion wollte Google ebenfalls einen sozialeren Anstrich verpassen. Über den Menüpunkt Hangouts können mehrere Mitglieder in eine Videokonferenz eintreten. Auch hier hat der Nutzer die Möglichkeit, einen Kreis auszuwählen, mit dessen Mitgliedern er chatten möchte. Wer dazu bereit ist, markiert seinen Status als "... is hanging out", über einen Join-Button können bis zu zehn Kontakte von Angesicht zu Angesicht in Kontakt treten. Der Vorteil: Man chattet nur Leute an, die dazu auch bereit sind.

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Huddles: Eine etwas simplere, unkompliziertere Form davon ist Huddle: Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Gruppenchat, der allerdings mit Statusmeldungen funktioniert und etwa schnelle Treffen im Restaurant um die Ecke zu ermöglichen. Grundlegendes Prinzip bleibt, dass das Gespräch nur mit ausgewählten Personen erfolgt.

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Mobile: Die mobilen Dienste von Google Plus sollen nicht nur die Interessen der Nutzer verbinden, sondern auch den weiteren Verlauf eines Gesprächs beeinflussen. Über +mobil kann der User einer Statusmeldung auch gleich seinen Standort hinzufügen. Sind Freunde in der Nähe, kann aus einem Status ein persönliches Gespräch werden. Falls bei einem persönlichen Treffen ein tolles Foto entsteht, bietet Google Plus eine Sofortupload-Funktion an, mit der Bilder sofort in ein privates Album in der Cloud wandern. Das erinnert an das gute alte Papierfoto: Man hat es geschossen, fand es beim ersten Ansehen blöd und es geriet in Vergessenheit. Doch ein wenig später sieht man es wieder und die Freude ist groß.

Die Zuversicht, dass dieser Vorstoß in die Welt der sozialen Netzwerke klappen wird, ist bei Google groß. Grund: Die Basis von gut einer Milliarde Nutzern. Dennoch ist man sich bewusst, dass Google Plus sich womöglich erst nach und nach durchsetzen wird: "Es ist uns bewusst, dass Google+ ein neuartiges Projekt ist, das einen anderen Schwerpunkt erfordert: eure Person." Mit anderen Worten: Der Nutzer soll und wird es schon richten. ire
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