Google Instant verändert Such- und Werbeverhalten

Montag, 13. September 2010
Google Instant bietet den Anzeigenkunden mehr Möglichkeiten zur Werbung
Google Instant bietet den Anzeigenkunden mehr Möglichkeiten zur Werbung

Google revolutioniert die Suchmaschinen – mal wieder. Gleichzeitig will das Unternehmen seine Vormarktstellung auf dem Werbemarkt ausbauen. Wer bei Google Instant nach einem Wort sucht, bekommt mit jedem Buchstaben direkt eine Fülle an Suchergebnissen angezeigt. Wer beispielsweise nach Horizont sucht, bekommt auf dem Weg H&M, Hotmail und Hornbach angeboten – inklusive passender Werbeanzeigen. Das erklärte Ziel von Google ist es, eine Suche auf künftig nur noch zwei bis fünf Sekunden zu verkürzen. Neben den Vorteilen für den Nutzer, die das Unternehmen in den Vordergrund stellt, bietet Google Instant allerdings auch den Anzeigenkunden mehr Möglichkeiten, um zu werben – und dem Unternehmen selbst die Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen.

Gibt man nur einen Buchstaben ein, lenkt Google die Suche häufig auf große Unternehmen wie Amazon, Ebay, Facebook, Ikea, Postbank oder VW. Vor allem diese Firmen können sich wohl auf einen Anstieg der Klickraten einstellen. Je länger die Sucheingabe, desto mehr mögliche Treffer werden insgesamt angeboten – und desto größer ist die Chance, dass der Nutzer bei einem Begriff hängenbleibt, den er eigentlich gar nicht gesucht hat. Ein kurzer Abstecher auf die H&M-Seite und schon ist vergessen, dass man eigentlich nach etwas ganz anderem gesucht hat. Dies bemängelt auch Kevin Lee, CEO des Suchmarketing-Unternehmens Didit, gegenüber "Advertising Age": "Normalerweise kann man seinen Gedanken zu Ende führen."

Google Instant: Wer zu Horizont will, muss erst an H&M vorbei
Google Instant: Wer zu Horizont will, muss erst an H&M vorbei
Im Gegensatz dazu habe Google Instant "das Potential, Leute von dem abzulenken, wonach sie gesucht haben und sie in eine komplett neue Richtung zu lenken." Immerhin: Google zählt einen Klick jedoch nur als Impression, wenn man länger als drei Sekunden auf der Seite verweilt, man hat also eine kurze Bedenkpause.

Ob sich durch Google Instant das Suchverhalten verändern wird und welche Vorteile sich für werbende Unternehmen ergeben, ist noch nicht klar. Laut David Armano, Senior VP bei Edelman Digital, geht der Schwerpunkt jedoch weg vom Keyword hin zum Key-Letter, wie er gegenüber "Advertising Age" erklärt. Dies könnte alle Regeln der Suchmaschinenoptimierung, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben, auf den Kopf stellen. In den USA ist Google Instant bereits in die Suchmaschine integriert, in Deutschland muss man sich erst mit einem Google-Account anmelden, um die schnellere Suche nutzen zu können. sw
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