Google-Chef Philipp Schindler gibt Chefredakteuren "Nachhilfe"

Donnerstag, 07. Oktober 2010
Google-Europachef Philipp Schindler
Google-Europachef Philipp Schindler

Eine geschmackvolle Provokation? Die Verlage liefern die Eier - und Google verspeist das Omelette. Mit dieser These, die das ambivalente Verhältnis zwischen Medienhäusern und dem Suchmaschinen- und Vermarktungsriesen charakterisieren sollte, wurde Google-Europachef Philipp Schindler auf der Bühne begrüßt, als Gastredner beim World Editors Forum (WEF). Das jährliche Treffen internationaler Chefredakteure findet in diesen Tagen in Hamburg statt. Wer so denkt, der unterliege einem „fundamentalen Missverständnis" hinsichtlich Googles Rolle in der digitalen Medienlandschaft, kontert Schindler und beschreibt sein Unternehmen einmal mehr als Technologiepartner der Verlage. Google leite jeden Monat vier Milliarden Menschen auf andere Sites und habe allein im vergangenen Quartal 1,7 Milliarden Dollar an Partner des Vermarktungsprogramms Adsense ausgezahlt. „Würde es den Verlagen besser gehen, wenn es Google ab morgen nicht mehr gäbe?", fragt Schindler und antwortet: „Nein".

Verlage sollten vielmehr das Datenmaterial, das die Internetnutzung im Allgemeinen und Google im Besonderen über das Userverhalten lieferten, als reichhaltige Informationsquelle annehmen und nutzen, um ihre Leser besser zu verstehen: „Learn to love the Data."

Auch sollten sich Verlage die Megatrends der Internetzukunft nutzbar machen. In Schindlers Augen sind dies die wachsende Bedeutung von Suchfunktionen in allen digitalen Kanälen; Empfehlungs-basierte Navigation; smartere audiovisuelle Endgeräte; mobiles Web nicht nur auf der Geräteebene, sondern auch in puncto Vernetzung und Datenspeicherung („Cloud Computing") sowie Geschäftsmodelle als Mischung aus Abo, Werbung und E-Commerce. Und in ein paar Jahren, glaubt der Google-Manager, werden Programme für automatische Sprachübersetzung das Geschäft revolutionieren: „Das ermöglicht weltweites Business, auch in Nischenmärkten." rp
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