Goldmedia-Studie: So interagieren Deutschlands Politiker auf Facebook

Dienstag, 16. April 2013
Steinbrücks Facebook-Profil steht ganz im Zeichen seiner Kanzlerkandidatur
Steinbrücks Facebook-Profil steht ganz im Zeichen seiner Kanzlerkandidatur


Endlich liegt er mal vorne: Peer Steinbrück ist es tatsächlich gelungen, Bundeskanzlerin Angela Merkel zu überflügeln - wenn auch nur auf Facebook. Der SPD-Kanzlerkandidat schafft es einer Analyse von Goldmedia zufolge, im Vergleich zu anderen Spitzenpolitikern auf der sozialen Plattform die höchsten Interaktionsraten zu erzielen. Ansonsten stellt die Studie den untersuchten Profilen kein gutes Zeugnis aus: In Sachen Dialog hätten viele noch Nachholbedarf.
Der Goldmedia Interaktions Index März 2013 (Grafik: Goldmedia)
Der Goldmedia Interaktions Index März 2013 (Grafik: Goldmedia)
Der Goldmedia Interaktions Index bewertet die Facebook-Fanpages von Unternehmen oder Personen nach dem Grad der tatsächlichen Interaktion. Peer Steinbrück führt im März 2013 das Ranking an und erzielt mit einem Interaktions-Index von 10 den höchsten Wert. Im Verhältnis zur eigenen Fananzahl habe er die meisten Likes pro Post generiert. Auf dem zweiten Platz landet die Grünen-Politikerin Claudia Roth mit 7 Indexpunkten. Im Mittelfeld liegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die in absoluten Zahlen die meisten Fans hat(234.558; Stand: 31.03.13), NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Renate Künast (jeweils Index 4) sowie Horst Seehofer (Index 3). Die Seite des CSU-Politikers erhielt im vergangenen März auch die meisten Userbeiträge (384). Nur geringe Interaktion verzeichnen die Facebook-Seiten von Jürgen Trittin und Frank-Walter Steinmeier (Index 2), obwohl letzterer im Beobachtungszeitraum die meisten Posts absetzte, nämlich genau 70. Finanzminister Wolfgang Schäuble und Bundespräsident Joachim Gauck - der nicht einmal eine offizielle Präsent besitzt - erweisen sich mit einem Indexwert von 0 hingegen als wahre Facebook-Verweigerer.

Das Fazit der Studie, die Goldmedia für das Debattenportal Medianpolitik.net durchführte: Die meisten Vertreter der deutschen Spitzenpolitik sind zwar auf Facebook präsent, ein wirklicher Dialog mit der Fangemeinde kommt jedoch nur selten zustande. So falle auf, dass viele Politker wenig bis gar nicht auf Kommentare der Fans reagierten. Wenn die Fans überhaupt die Möglichkeit haben, Wortmeldungen abzusetzen: Bei 7 von 10 untersuchten Profilen ist die Kommentarfunktion abgeschaltet. Auch persönliche Statements und Ansprachen seien Mangelware. "Die Potenziale der Dialog-Funktion von Facebook werden bei vielen offenbar noch nicht ausreichend genutzt", so die Autoren.

Eigentlich unverständlich, dürfte die in diesem September anstehende Bundestagswahl doch wohl so stark vom Internet beeinflusst werden wie keine zuvor. Nicht umsonst leisten sich immer mehr Politiker Social-Media-Teams, die in ihrem Namen twittern und posten. So hat Peer Steinbrück Ende vergangenen Jahres Twitter für sich endteckt, Angela Merkel will in dieser Woche mit einem Google-Hangout den Dialog mit den Bürgern intensivieren. Betrachtet man die Studienergebnisse von Goldmedia, scheint die Präsenz auf sozialen Plattformen für viele deutsche Spitzenpolitiker jedoch immer noch in die Kategorie "Nice to have" fallen. Die vielfach propagierte Ansprache junger Wähler wird so jedenfalls kaum gelingen. ire
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