Giovanni di Lorenzo übt Kritik an Kommunikationspolitik der Verlage

Donnerstag, 07. Januar 2010
Giovanni di Lorenzo fordert mehr Ehrlichkeit gegenüber Lesern
Giovanni di Lorenzo fordert mehr Ehrlichkeit gegenüber Lesern

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit", kritisiert deutlich, wie einige Verlage im vergangenen Jahr ihre Sparmaßnahmen kommuniziert haben: "Wenn die Zahlen schlecht sind, muss gespart werden. Aber dann sollte man auch ehrlich sein und den Lesern nicht die krudesten Einsparungen als Qualitätssteigerung verkaufen. Das stimmt einfach nicht. Und die Leser sind alles andere als dumm." Dies sagt der Blattmacher im Interview mit HORIZONT, das in Ausgabe 1/2010 am morgigen Donnerstag erscheint. Zudem gibt er den Verlagen eine Mitschuld an dem Bedeutungsverlust der Gattung Print zugunsten von Online in den vergangenen Jahren. Die Printbranche hat seiner Meinung nach in der Pflege ihrer Marken in der Vergangenheit "unverzeihliche Fehler" gemacht. "Permanent wurde die Botschaft verkündet, das Internet sei das modernere Medium", sagt di Lorenzo. Dabei sei häufig außer Acht gelassen worden, dass Web-Auftritte durch viel Geld aus dem Printgeschäft querfinanziert werden müssten. Di Lorenzo betont: "Ich glaube an Online, aber ich bin gegen eine Ideologisierung."

Exklusiv für Printabonnenten

Exklusiv für Printabonnenten
Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 01/2010, die am 7. Januar erscheint.

HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren


In dem HORIZONT-Interview zieht der "Zeit"-Chefredakteur auch eine wirtschaftliche Bilanz seines Titels: "Wir haben wundersamerweise ein Jahr erlebt, nach dem wir uns vielleicht noch zurücksehnen werden." So hat die "Zeit" in drei Quartalen mehr als 500.000 Exemplare verkauft und damit die höchste Auflage der Geschichte erzielt. Im Anzeigengeschäft ist das Jahr 2009 für die "Zeit"  im Vergleich zu anderen Zeitungen insgesamt positiv verlaufen. "Auch wir haben bei den Empfehlungs-, Rubriken- und Markenanzeigen Federn gelassen - insgesamt gab es hier ein Minus von 10 Prozent. Dafür konnten wir im Gegensatz zu anderen Titeln dank des Magazins vor allem im Luxussegment gegenüber dem Vorjahr zulegen: Das Magazin verzeichnet ein Plus von 10 Prozent", resümiert di Lorenzo. Insgesamt habe der Wochentitel im vergangenen Jahr eine zweistellige Umsatzrendite erwirtschaftet.

Aber auch der Zeit-Verlag hat 2009 nicht komplett auf Sparmaßnahmen verzichtet. So wurden beispielsweise die Gehälter eingefroren. Ein genreller Einstellungsstopp wurde in der Redaktion zwar nicht verhängt, aber dennoch die ein oder andere Stelle nicht nachbesetzt. Um die Mitarbeiter für die gestiegenen Anforderungen zu rüsten, startet der Verlag im kommenden Jahr in eine umfassende Weiterbildungsoffensive. bn
Meist gelesen
stats