Geschäftsführer Mario Frank plant weitere Schweiz-Hefte / „Ich bin ein Mann der Mitarbeiter KG“

Freitag, 11. Januar 2008
Will in der Schweiz Gas geben: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank
Will in der Schweiz Gas geben: Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank

Der Spiegel-Verlag erwägt offenbar eine eigenständige Ausgabe für die Schweiz. Er würde sich „freuen, wenn wir unsere Überlegungen für ein journalistisches Engagement in der Schweiz in 2008 verbindlich auf die Tagesordnung setzen würden“, sagte Geschäftsführer Mario Frank auf dem Neujahrsempfang für Mitarbeiter nach Angaben von Teilnehmern. Der Redetext liegt HORIZONT vor. Franks Formulierung lässt sich eher als Signal an die künftige Chefredaktion und an die Gesellschafter – vor allem an die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent am „Spiegel“ hält – lesen denn als entschlossene Absichtserklärung. Mit gutem Grund: Franks erstes Großprojekt, den Einstieg bei der „FTD“, hat die Mitarbeiter KG abgelehnt. „Wir werden das Thema Schweiz gemeinsam mit der künftigen Chefredaktion prüfen“, sagt eine Verlagssprecherin. Sie lässt offen, ob damit sporadische Supplements oder ein eigenständiges wöchentliches Heft gemeint ist.

Mario Frank: Ich werde darum alles tun, um meinen Beitrag dafür zu leisten, dass dieses besondere Modell der Mitarbeiterbeteiligung auch in Zukunft so erfolgreich sein wird wie bisher.“

Bereits Ende Juni vergangenen Jahres war der „Spiegel“ in der Schweiz mit einer Beilage auf den Markt gekommen. Dies hatten Beobachter als ersten Test einer möglichen internationalen Expansion gewertet. Im HORIZONT-Interview (30/07) Ende Juli vergangenen Jahres hatte Geschäftsführer Frank dem jedoch widersprochen: „Das hatte damit nichts zu tun. Mit dem Titelsplit wollten wir erstmals die Produktion und die Akzeptanz themen- oder anlassbezogener regionaler Supplements testen; auch dies ist ein Mittel der Auflagenstärkung.“

Laut Frank hat das Experiment „offensichtlich ganz gut funktioniert: Normalerweise haben wir dort einen Einzelverkauf von 14.000 Heften – dank der Beilage waren es 36.000“. Danach folgte ein weiteres regionales Supplement in Hamburg.

Mario Frank

Der gebürtige Rostocker wächst in der Schweiz auf. 1987 beginnt der promovierte Jurist als Assistent des damaligen Bertelsmann-CEO Mark Wössner. Später holt ihn der einstige G+J-Chef Gerd Schulte-Hillen ins Haus, Frank führt die Kaufzeitungen in Ostdeutschland. Ab 1994 leitet er die Geschäfte des Dresdner Druck- und Verlagshauses ("Sächsische Zeitung"). Seit Januar 2007 ist Frank Geschäftsführer des Spiegel-Verlags.


Franks Neujahrsrede ist noch aus einem anderen Grund bemerkenswert, denn er greift darin Vorwürfe und Unterstellungen auf, die seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr nicht verstummen wollen – oder die in den Wochen vor Weihnachten hinzugekommen sind. So lobt Frank das Mitarbeiter-Eigentümermodell als „individuelle Unternehmenskultur“, deren „Mechanismen der Meinungsfindung“ zwar nicht immer bequem und für ihn selber „im Alltag bisweilen noch gewöhnungsbedürftig“ seien. Dennoch habe er „das Einzigartige der ,Spiegel‘-Unternehmensidentität mehr als schätzen gelernt“. Frank weiter: „Ich werde darum alles tun, um meinen Beitrag dafür zu leisten, dass dieses besondere Modell der Mitarbeiterbeteiligung auch in Zukunft so erfolgreich sein wird wie bisher.“

Auch zu der im Haus nicht verstummenden Verschwörungstheorie, er, der ehemalige Gruner + Jahr-Manager, sei vom 25,5-Prozent-Gesellschafter G+J in den „Spiegel“ eingeschleust worden, um die Mehrheitsübernahme vorzubereiten, nimmt Frank Stellung: Er sei von der Mitarbeiter KG als Geschäftsführer gesucht und eingestellt worden, außerdem habe diese als Mehrheitsgesellschafter die unternehmerische Führung. Frank: „Ich fühle mich darum in erster Linie den Interessen der Mitarbeiter KG verpflichtet. Ich bin ein Mann der Mitarbeiter KG.“


Mario Frank: Der Printtitel ist und bleibt für uns das Maß der Dinge.“

Dass er in der Vergangenheit die Unternehmenskultur von G+J kennen lernen konnte, sei ein Vorteil für den „Spiegel“ – und keine Gefahr. In den Wochen vor Weihnachten war Frank zudem intern dafür kritisiert worden, dass er vermeintlich Print als Auslaufmodell ansehe; kolportiert wird das Zitat „Online ist der Ferrari“. Auch dieses Thema greift Frank auf: „Der Printtitel ist und bleibt für uns das Maß der Dinge.“ Das Blatt habe die Strahlkraft der Marke „Spiegel“ begründet, sorge für 80 Prozent des Ergebnisses und unterstütze „in erheblichem Maße das künftige Wachstum von Spiegel Online“.

Laut Frank hat die Spiegel-Gruppe im vergangenen Jahr mit rund 58 Millionen Euro das beste Betriebsergebnis ihrer Geschichte geschrieben. Der Umsatz des Onlinevermarkters Quality Channel sei um 40 Prozent gestiegen, und Manager Magazin Online habe 2007 die Gewinnzone erreicht. Zum Stand der Suche nach einem Nachfolger für den geschassten und seit Mitte November nur noch auf Abruf amtierenden Chefredakteur Stefan Aust sagte Frank nichts Neues. Statt dessen gab es wohl augenzwinkernde Schelte für die berichterstattende Presse: „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, das Sturmgeschütz ,Spiegel‘ mit dem Blasrohr zu beschießen und sich damit ein wenig eigene Publicity zu verschaffen.“
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