Germany's Gold: Öffentlich-Rechtliche wollen ans große Geld

Freitag, 29. April 2011

Vor wenigen Wochen hat das Kartellamt Pläne von RTL und Pro Sieben Sat 1 zum Aufbau einer auch für Drittsender offenen Videoplattform untersagt. Nun wollen die Öffentlich-Rechtlichen etwas Ähnliches entwickeln. Es geht, so zitiert die „FTD" den ZDF-Chef Markus Schächter,  um „großes Geld im Video-on-Demand-Bereich". Der Ansatz ist ähnlich einleuchtend wie die Pläne der privaten Konkurrenten. Es geht um die Online-Verwertung vorhandenem Filmmaterials. Und es geht um die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den Internet-Dickschiffen. Apple, Facebook und Googles Youtube sind auf dem besten Wege, nicht nur den Markt der Onlinewerbung, sondern auch die Zukunftsmärkte  Web-TV und Video-on-Demand zu dominieren.

Es ist also naheliegend, mit einer eigenen kommerziellen Plattform „großes Geld" und den Konkurrenten das Geschäft mit Bewegtbildern madig zu machen - auch wenn „Germany's Gold", so der Arbeitstitel der Plattform, erstaunlich spät Gestalt annimmt. Die „FTD" wundert sich zu Recht darüber, dass ARD und ZDF erst jetzt auf die Idee kommen, ihre Archivschätze (2 Millionen Beiträge, 300.000 Programmstunden) online zu verwerten.  Wenn es um großes Geld in Sachen Gebühren geht, sind die Öffentlich-Rechtlichen doch in der Regel so schnell wie einst Carl Lewis und so fintenreich wie Muhammad Ali.

Zudem: Es wäre merkwürdig und hätte ein „Geschmäckle", wenn das Kartellamt das Vorhaben einfach durchwinken würde. Warum sollten Schächter und die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen, was den Privaten nicht erlaubt ist? Eine positive Entscheidung wäre nicht nur den Gebührenzahlern schwer vermittelbar. Andererseits: Vielleicht fällt dem Kartellamt ein Junktim ein und es koppelt die Umsätze der Videoplattform an eine Entlastung der Gebührenzahler - wir sprechen hier von rund 7 Milliarden Euro. Wie das Kartellamt in diesem Fall auch entscheidet: Wenn es dauerhaft TV-Sendern deutscher Provenienz - egal ob öffentlich-rechtlich, privat oder alle zusammen - nicht gestattet ist, kommerzielle und Videoportale jenseits von Monosender-Plattformen (Maxdome, Videoload) aufzubauen, verlieren Treiber der digitalen Wirtschaft hierzulande in einem wichtigen Marktsegment Know-how, Perspektiven und Umsatz an globale Technik- und Internetkonzerne. Das wäre die schlechteste aller möglichen Varianten. vs
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