Generalprobe für Grazia: Solide aber nicht einzigartig

Montag, 01. Februar 2010
Modestrecken dürfen natürlich nicht fehlen
Modestrecken dürfen natürlich nicht fehlen

Das Fashionmagazin "Grazia" startet am 11. Februar. Bereits eine Woche bevor der offizielle Startschuss fällt, verschickt die Mediengruppe Klambt, die die Lizenz von Mondadori erworben hat, 450.000 Probehefte an ausgewählte Haushalte, darunter 100.000 Douglas-Kundinnen. Der erste Eindruck: Ein solide gemachtes Magazin, das sich nicht ganz entscheiden kann, ob es ein Fashion-, People- oder klassisches Frauenmagazin sein will. Cover und erstes Heftdrittel erinnern an ein klassisches Peoplemagazin. Das Titelbild zeigt einen Schnappschuss von Sex & The City-Lady Sarah Jessica Parker, der Heftanfang widmet sich ganz den Hollywoodstars. Dieser Mix aus Promitratsch, -styles und -reportagen zieht Leser ins Blatt, ist aber nicht ganz ungefährlich, denn auf diesem Terrain haben sich schon die jungen People-Magazine "Intouch", "Life & Style" (beide Bauer Media Group) und auch die Konkurrenz aus dem eigenen Haus "In - das Star & Style Magazin" (G+J/Klambt) und "OK" (Klambt/Northern & Shell) ihre Nische erkämpft.

Die übrigen zwei Drittel des Hefts sind ein buntes Potpourri aus Mode, Reportagen, Beauty, Lifestyle und Entertainment und gleichen damit dem Themenspektrum einer 14-täglichen oder monatlichen Frauenzeitschrift. Für Modeinteressierte gibt es ein Schuh-Special und ästhetisch fotografierte Fashionstrecken (Titel "Parlez-vous Marine?"/ "Das ist Trench"). Die Doppelseiten zu Wohnen, Food und Reise sind eher Schmuckwerk als Essential eines wöchentlichen Modetitels.

Weniger ist manchmal mehr. Das gilt vor allem für die gesellschaftskritischen Artikel ("Sollten Burkas verboten werden?" / "Dr. Tod kehrt zurück"), die nicht recht zum unterhaltenden Charakter des Hefts passen. So steht der Artikel "Haiti: Sie planschen - und nebenan kämpfen Menschen um ihr Leben" etwas unbeholfen inmitten der Promi- und Modenews. Die Geschichte über George Clooneys Haiti-Aktion "Hollywood hilft" passt dagegen viel besser ins Bild der Zeitschrift und zur Zielgruppe.

Die eigentliche Stärke des Magazins - seine Aktualität - spielt "Grazia" noch nicht genug aus. Am Puls der Zeit zu sein demonstriert die Redaktion zum Beispiel in der Rubrik Fashion-Newcomer: Vom 50-Euro H&M-Kleid bis zur 1810-Euro Fransenjacke bekommt die Leserin auf der ersten redaktionellen Seite einen Überblick, was sie in dieser Woche in den Läden findet.

Fazit: Die einzelnen Rubriken sind bekannt, neu ist die Mischung. Doch ob die einzigartig genug ist, um als Differenzierungsmerkmal im eng besetzten Markt der Frauenmagazine wahrgenommen zu werden, darf hinterfragt werden. Die starke, internationale Marke "Grazia" dabei im Rücken zu haben, ist sicher ein kluger Schachzug von Verleger Lars Rose. se
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