Gemischte Reaktionen auf das neue Google-Handy

Mittwoch, 06. Januar 2010
Das Nexus One von Google
Das Nexus One von Google

Die Katze ist aus dem Sack, Google hat nach monatelangen Spekulationen sein erstes Handy der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Reaktionen auf das vermeintliche Superhandy Nexus One fallen indes verhalten aus. Technisch ist das Gerät zweifellos auf dem neuesten Stand, neue Standards wird es jedoch wohl nicht setzen. Spannender als die technischen Details dürfte jedoch sein, welche Marktdynamik das neue Vertriebsmodell und die innovative Software entfalten werden. Die Fakten: Das Google Handy Nexus One hat mit dem 1 GHz schnellen Prozessor von Qualcomm den derzeit schnellsten verfügbaren Handy-Chip an Bord, unterstützt alle gängigen Mobilfunkstandards , ist per W-Lan und Bluetooth vernetzbar, hat ein 3,7 Zoll großes Display und eine 5 Megapixel-Kamera. Dazu kommen einige nette Spielereien wie ein Trackball, der neue Nachrichten durch einen Farbwechsel anzeigt. "Der "Wow-Effekt" ist ausgeblieben", urteilt Holger Schmid von der FAZ: "Ein 'Superphone', wie Google gleich eine neue Geräteklasse für das Nexus One definierte, ist das von HTC produzierte Gerät also nicht."

Doch wichtiger als die technischen Details dürfte die Software sein, die die Vernetzung von Handy und Internet weiter vorantreiben soll. Der vielsagende Claim des Nexus One: "Web meets Phone". Die Navigationssoftware Google Maps inklusive Sprachausgabe und Google Earth sind natürlich an Bord, dazu etliche andere Google-Anwendungen wie der Zugriff auf Google-Mail, ein universeller Posteingang und bislang rund 18.000 mögliche Anwendungen im Android Market, der Google-Variante von Apples iTunes. Innovativ ist die offenbar gut funktionierende Spracherkennung, die zum Beispiel Spracheingaben für das Navigationssystem erkennt und sogar die mündliche Texteingabe ermöglicht.

Interessantes Detail: Anwender von Smartphones mit Android-Betriebssystem nutzen 30-mal so häufig die Google-Suche wie die Nutzer anderer Geräte, sagte Android-Manager Mario Queiroz bei der Präsentation des Geräts. Werbungtreibenden eröffnen sich hier zahlreiche Möglichkeiten für Mobile Marketing und Social-Media-Kampagnen.

Neben Marketingexperten dürften in den kommenden Monaten vor allem Mobilfunkanbieter mit Argusausgen beobachten, wie das Vertriebskonzept für das Google-Handy angenommen wird. Im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern lässt Google den Verbrauchern nämlich die Wahl, ob sie das Nexus One inklusive Vertrag mit einem Netzbetreiber erwerben oder nicht. Ohne Vertrag kann man das Smartphone mit jeder SIM-Karte für ein GSM-Netz betreiben.

Ohne Vertragsbindung kostet das Nexus One über den Google-Online-Store in den USA 529 Dollar, mit einem Zweijahresvertrag von T-Mobile USA ist das Handy für 179 Dollar zu haben. In der Anfangsphase ist das Google-Handy nur in den USA, in Großbritannien, Singapur und Hong Kong zu haben. In Europa soll das Nexus One "in naher Zukunft" erhältlich sein. Vetriebspartner in Europa wird Vodafone sein. Zudem plant Google in den kommenden Monaten Vereinbarungen mit weiteren Netzbetreibern, "um den Kunden eine breite Palette an Vertragsoptionen zu bieten". Zudem ist die Ausweitung des Google-Shops auf weitere Länder geplant. Bis das neue Google-Phone auch hierzulande seine Wirkung entfalten kann, werden also noch einige Monate ins Land ziehen. dh
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