Gegengewicht zur RTL Group: Thomas Rabe will Bertelsmann breiter aufstellen

Montag, 13. Februar 2012
Will Bertelsmann internationaler ausrichten: Thomas Rabe
Will Bertelsmann internationaler ausrichten: Thomas Rabe


Der neue Bertelsmann-Chef Thomas Rabe will Europas größten Medienkonzern breiter aufstellen. Derzeit werden rund ein Dutzend neuer Wachstumsplattformen definiert. Damit soll der Medienkonzern auch unabhängiger von seiner dominierenden Cash-Cow, der RTL Group werden. "Wir schauen nach neuen Geschäftsmodellen, die immer auch eine globale Dimension erreichen können und sollen", erklärt Rabe im Interview mit dem "Spiegel". Zwei dieser Wachstumsfelder seien das Musikgeschäft BMG, das mit Rechtekatalogen bereits "sehr gut Geld" verdiene und das globale Bildungsgeschäft, das Bertelsmann über eine Beteiligung an einem 100 Millionen Euro schweren Fonds erschließen will. "Zehn, zwölf solcher Wachstumsfelder definieren wir zurzeit", verrät Rabe. Insgesamt soll Bertelsmann in Zukunft internationaler und in mehr Geschäftsfeldern aktiv sein als heute. "Ob am Ende statt unserer vier Divisionen fünf oder sechs stehen, werden wir sehen."

Dabei sollen die neuen Geschäftsfelder auch ein "Gegengewicht" zur RTL Group bilden, die derzeit zwei Drittel zum Gewinn des Medienkonzerns beisteuert. Insgesamt stehen pro Jahr "rund eine Milliarde plus X" für Investitionen in neue Geschäftsfelder bereit.

Dabei will Rabe von Fall zu Fall mit Partnern zusammenarbeiten, um das im globalen Vergleich eher dünne Finanzpolster von des Konzerns auszugleichen: "Bertelsmann stand noch nie für besondere Kapitalstärke, das war immer ein Engpass", räumt der ehemalige Finanzchef ein. "Aber
man kann aus der Not eine Tugend machen. Ich halte es für zukunftsweisend, neue Geschäfte mit Partnern aufzubauen. Und ich will ein Klima schaffen, dass die besten Unternehmer im Medienbereich wieder zu uns kommen, um hier ihre Ideen umzusetzen."

Befragt nach einem möglichen Verkauf der Verlagstochter Gruner + Jahr antwortet Rabe vieldeutig: "Man kann alles verkaufen". Im Fall von Gruner + Jahr sei ein solcher Schritt aber nicht vorgesehen. Der Verlag erhalte "alle Mittel, die er braucht, um sich weiterzuentwickeln".

Um Bertelsmann auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, will Rabe zudem das traditionelle Prinzip der Dezentralität ein Stück weit aufweichen: "Uns stehen im Moment globale Spieler wie Facebook gegenüber, die alles andere als dezentral aufgestellt sind. Man muss sich daher die Frage stellen, ob es in einigen Bereichen nicht besser wäre, stärker zusammenzuarbeiten. Der Wunsch danach ist im Unternehmen durchaus ausgeprägt." dh
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