Gefahr für die "Sportschau": DFL will exklusive Rechte für das Internet ausschreiben

Dienstag, 07. Juni 2011
Der "Sportschau" droht Konkurrenz durch Internetplattformen
Der "Sportschau" droht Konkurrenz durch Internetplattformen
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Gerade erst hat die "Sportschau" ihren 50. Geburstag gefeiert, da ziehen wieder einmal schwarze Wolken über der Sendung auf: Ein neues Vermarktungsmodell der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ab der Saison 2013/2014 könnte das Aus für den Klassiker der ARD bedeuten. Das Modell sieht ein exklusives Ausstrahlungsfenster für Internet- und Mobilfunkplattformen am Samstagabend bis 21.45 Uhr vor, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Eine Zusammenfassung der Spiele im frei empfangbaren Fernsehen am frühen Samstagabend würde damit unmöglich. Die DFL will mit den attraktiven Rechten für eine Übertragung im Internet offenbar neue Interessenten für die Bundesliga-Rechte gewinnen und damit nicht zuletzt die Preise weiter nach oben treiben. "Der Markt wird entscheiden, ob die 'Sportschau' verschwinden wird", zitiert die Wirtschaftszeitung den Vertreter eines Bundesliga-Clubs. Durch eine spätere Ausstrahlung im Free-TV würden zudem die Pay-TV-Rechte weiter aufgewertet, die derzeit Sky hält. Über entsprechende Pläne hatte bereits im März die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Die DFL will für die Rechte ab 2013 zwei unterschiedliche Modelle anbieten: Das Erste Modell sieht wie gehabt eine Erstverwertung ab 18.30 Uhr im Free-TV vor. Die neue Variante sieht exklusive Rechte für Internetplattformen vor, die ab 19 Uhr über die Spiele berichten könnten. Im frei empfangbaren Fernsehen wäre dann erst eine Zusammenfassung ab 21.45 Uhr möglich.

Interessenten für die entsprechenden Rechte gäbe es zur Genüge: "Die Bundesliga-Rechte fürs Web sind für uns nach wie vor durchaus sehr interessant", zitiert das "Handelsblatt" zum Beispiel Heiko Genzlinger, Vize-Deutschlandchef von Yahoo: "Schon lange verzeichnet Online-Video-Content enorme Wachstumsraten, mit steigender Tendenz - es liegt also auf der Hand, wo es für Werbekunden und damit hier auch für die Bundesliga hingehen muss."

Zunächst muss nun das Bundeskartellamt dem neuen Vermarktungsmodell grünes Licht geben. Der Behörde liegen die Pläne zur Prüfung vor. Derzeit läuft die Befragung der Marktteilnehmer. Entsprechende Fragebögen wurden bereits Ende Februar an Vereine und Medienunternehmen verschickt. Eine Entscheidung soll innerhalb der nächsten sechs Wochen fallen. dh
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