"Gebührenfinanziertes Fußball-Monopol": VPRT kritisiert Sportrechtekauf von ARD und ZDF

Mittwoch, 25. Mai 2011
"Gebührenfinanziertes Fußball-Monopol" bei ARD und ZDF?
"Gebührenfinanziertes Fußball-Monopol" bei ARD und ZDF?

Gibt es wirklich ein "gebührenfinanziertes Fußball-Monopol" bei den Öffentlich-Rechtlichen? Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) meint Ja und hat die jüngsten Sportrechteeinkäufe von ARD und ZDF scharf kritisiert. Verbandspräsident Jürgen Doetz warnte vor einem gebührenfinanzierten Monopol auf die Fußballberichterstattung im deutschen Fernsehen. Die Antwort der Kritisierten ließ nicht lange auf sich warten: ARD und ZDF wiesen die Vorwürfe von sich. "Offensichtlich haben ARD und ZDF bei ihrer Shoppingtour die medienpolitische Vernunft und ein dem Gebührenzahler geschuldetes finanzielles Augenmaß völlig ausgeblendet", echauffiert sich Doetz. "Sollten die Aufsichtsgremien diesem Treiben tatenlos zuschauen und hier nicht korrigierend eingreifen, wird der VPRT als Interessenvertreter der privaten Rundfunksender in Deutschland die Einleitung rechtlicher Schritte auf nationaler und europäischer Ebene prüfen."

VPRT-Präsident Jürgen Doetz ist sauer auf ARD und ZDF
VPRT-Präsident Jürgen Doetz ist sauer auf ARD und ZDF
Bereits in dem Kauf der Rechte für die Fußball Champions-League durch das ZDF sieht der VPRT ein Fehlverhalten der Öffentlich-Rechtlichen. Der 54-Millionen-Deal sei ein Verstoß gegen die Untersagung von gebührenfinanzierter Wettbewerbsverzerrung. ARD und ZDF hätten sich die Rechte nur wegen der vollen Gebührenkassen gesichert, Mitbieter Sat 1 habe da nicht mithalten können. Der jüngste Kauf der Rechte für die Frauen- und Herren-Länderspiele, der Dritten Liga und der Frauenbundesliga "setze den Irrweg der Öffentlich-Rechtlichen fort." Der VPRT forderte außerdem den Deutschen Fußballbund auf, zukünftig nur Rechtepakete anzubieten, die sich auch private Sender leisten könnten.

Die ARD wies die Kritik zurück. Der Sender verwies darauf, dass der Sender sich mit den jüngsten Verhandlungsergebnissen "exakt im Rahmen des bisherigen Umfangs der Berichterstattung" bewege. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: "ARD und ZDF haben den DFB-Pokal, aber auch den Frauen-Fußball und die Dritte Liga mit zu dem gemacht, was sie heute darstellen." Da sich kein privater Sender für die besagten Rechte interessiert habe, seien die vom VPRT geäußerten Vorwürfe haltlos. Und das ZDF bekräftigte gegenüber HORIZONT.NET: "Gerade der neue Länderspielvertrag markiert keinen Expansionskurs, sondern hat einen reduzierten Rechteumfang. Im übrigen beschränkt sich die Sportberichterstattung bei ARD und ZDF - anders als bei den kommerziellen Sendern - nicht auf reichweitenstarke Spiele, sondern umfasst etwa auch Frauenfußball und Dritte Liga." Außerdem wiesen die Mainzer darauf hin, dass die vom VPRT für den Champions-League-Deal genannte Summe von 54 Millionen Euro bereits Anfang April von ZDF-Intendant Markus Schächter als falsch und deutlich zu hoch dementiert wurde.

Nach den VPRT-Vorwürfen zu den Fußball-Rechten darf man gespannt auf die Entscheidung zu dem ARD-Vertrag mit Sauerland Boxstall sein. Dieser sah die Übertragung von Boxevents im Ersten zwischen 2013 und 2015 vor. Kolportierter Wert: 54 Millionen Euro. Doch zuletzt geriet das Projekt ins Wanken: Der Verwaltungsrat des WDR, dem größten Sender in der ARD, stimmte gegen den Deal. Käme doch noch eine Mehrheit für den Vertrag zustande, wird sich die ARD wohl neuerlichen Vorwürfen konfrontiert sehen, sie schmeiße zu sehr mit Gebührengeldern um sich. ire
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