Gebührendebatte: RTL-Chefin Schäferkordt attestiert ARD und ZDF "beachtlichen Realitätsverlust"

Montag, 17. Oktober 2011
RTL-Chefin Anke Schäferkordt attestiert ARD und ZDF einen "Realitätsverlust"
RTL-Chefin Anke Schäferkordt attestiert ARD und ZDF einen "Realitätsverlust"


Anke Schäferkordt, Chefin der Mediengruppe RTL Deutschland, hat wenig Verständnis für den Mehrbedarf von 1,4 Milliarden Euro, den ARD und ZDF für die nächste Gebührenperiode ausgemacht haben. Alle Industrien hätten sich in der letzten Wirtschaftskrise auf ihre Kernaufgaben besinnen müssen. "Vor diesem Hintergrund zeugt die Gebührenanmeldung von ARD und ZDF ausgerechnet in Zeiten wie diesen von beachtlichem Realitätsverlust", sagt Schäferkordt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Die Gebühren zu beschränken, wie es in Großbritannien gerade gemacht wird, hält sie jedoch für den falschen Weg. "Ein Gebührenvolumen zu definieren, heißt noch lange nicht, dass damit auch ein Auftrag erfüllt wird", warnt sie. Schäferkordt fordert die Politiker dagegen auf, sich zu überlegen, welche Ziele mit dem dualen Rundfunksystem erreicht werden sollen und nicht nur "hin und wieder an einzelnen Stellschrauben zu drehen".

Der Gesetzgeber solle vor allem die Frage klären, welchen Umfang und welchen Inhalt öffentlich-rechtliche Angebote haben müssten. So sei zu prüfen, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk überall empfangbar sein und über alle Plattformen verbreitet werden müsse. Beispielsweise den digital-terrestrischen Standard DVB-T stellt sie in Frage.

Auch die Notwendigkeit neuer Sender ist für Schäferkordt fraglich: "Wenn ZDF-Intendant Markus Schächter betont, erst eine Senderfamilie könne das Überleben des ZDF in der digitalen Welt sichern, dann frage ich mich: Sind ARD und ZDF nicht bereits die wahrscheinlich größte Senderfamilie der Welt?".

Zudem müsste der Gesetzgeber sich daran machen, endlich eine konvergente Medienordnung festzulegen. Derzeit werden TV und Radio im Rundfunkstaatsvertrag reguliert. Das Internet dagegen ist weit weniger beschränkt. In der digitalen Welt kommen jedoch alle Medien wieder zusammen - mit für den Zuschauer und Nutzer unerkennbaren gesetzlichen Beschränkungen hinter ihren Angeboten. "So etwas kann in Zukunft nicht mehr funktionieren", so Schäferkordt in der "SZ". pap
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