Gafron versus Berliner Verlag

Donnerstag, 20. September 2001
Georg Gafron greift zu eigenwilligen Mitteln
Georg Gafron greift zu eigenwilligen Mitteln

Der Berliner Wahlkampf ist plötzlich auch zu einem Medienkampf ausgeartet: Weil der Berliner Verlag die jüngste Anzeige des zum Kirch-Imperium gehörenden Radiosenders Hundert,6 nicht drucken wollte, greift Geschäftsführer Georg Gafron zu sehr eigenwilligen Mitteln.

Gafron, zugleich Chefredakteur des auflagenstarken Springer-Boulevardtitels "B.Z." und Geschäftsführer des Kirch-Lokalsenders TV.B, macht Front gegen den Konkurrenzverlag, in dem "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" erscheinen. Unter der Marschrichtung "Anzeigenzensur" sollen Hörer bei Verlagschef Torsten-Jörn Klein anrufen und ihm die Meinung sagen. Dafür wird ständig dessen Telefonnummer im Radio wiederholt.

Auf der Anzeige, mit der Gafron aktiv gegen eine Regierungsbeteiligung der PDS Partei ergreift, sind unter dem DDR-Enblem und der Überschrift "40 Jahre DDR" "960 Fluchttote, 250 000 politische Gefangene, 33 755 an den Westen verkaufte Häftlinge, 8500 verrottete, umweltverseuchte VEB-Betriebe" aufgelistet.

"Keine Macht den Tätern!", fordert Gafron auf der Anzeige weiter, die auf Citylights die Stadt - zumindestens den Ostteil - regelrecht tapezieren. Bereits am Mittwoch hatte Gafron in der "B.Z." angekündigt, dass man Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Berliner Verlages einlegen werde. Angeblich sollen äußerst wenige beim Berliner Verlag angerufen haben.
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