G+J und "Zeit": Unterstützung für Springers Grosso-Deal / Verlage rechnen noch

Montag, 20. Dezember 2010
G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz
G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz

Zustimmung unter Vorbehalt: Gruner + Jahr unterstützt Axel Springers Deal - genauer: dessen „systemerhaltenden Charakter" - mit dem Grosso-Verband, den beide Parteien als Pilotabschluss für den Pressevertrieb an sich verstanden wissen wollen. „Dieser Vorschlag ist ein richtiges Signal und könnte ein wesentlicher Baustein für das Commitment der Verlagsseite insgesamt zum Grosso-Vertriebssystem sein", sagt G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz. Die "Einbeziehung wesentlicher Faktoren der Gemeinsamen Erklärung", dazu gehört etwa der Kündigungsschutz fürs Grosso, in rechtsverbindliche Vereinbarungen zwischen Verlag und Grossist festige das deutsche Pressevertriebssystem. Zugleich lobt G+J die Erklärung des Grosso, dass die Vertriebskosten der Verlage in relevanter Größenordnung gesenkt werden können und sollen. Allerdings schränkt Buchholz ein, dass man die Details des Bonusdeals zwischen Springer und dem Grosso-Verband noch bewerten müsse. Hier komme es auf ein „faires und gerechtes Verteilungsmodell im Sinne aller Verlage" an.

Auch Rainer Esser, Geschäftsführer des Zeit-Verlags, begrüßt den Vorschlag als "intelligent und nachhaltig". Intelligent, weil er die Verlage an ihrem jeweiligen mit dem Grosso getätigten Umsatz mit einem Bonus beteillige und nachhaltig, weil das Jahr 2010 als Basisgröße für alle folgenden Jahre gewählt werde.

Bei den übrigen Verlagen laufen offenbar noch die Taschenrechner heiß. Denn kaum einem anderen Haus dürfte das Zahlenwerk, das Springer und die Grossisten vereinbart haben, genau bekannt sein. Und ob die Konditionen auch für sie von Vorteil sind. Burda-Vertriebschef Tobias Mai möchte sich „zum gegenwärtigen Zeitpunkt dazu nicht äußern", ebenso wenig der Arbeitskreis Mittelständischer Verlage (AMV) sowie Michael Imhoff, Geschäftsführender Gesellschafter von MZV, dem Vertriebsdienstleister von Burda und WAZ-Gruppe. Man prüfe noch, heißt es bisweilen. Die Bauer Media Group mag überhaupt keine Stellung beziehen.

Darüber hinaus ist in Verlags- und Vertriebskreisen auch vorsichtige Kritik am Springer-Grosso-Pakt zu hören, mangels Kenntnis weniger am Inhalt als vielmehr am Procedere. Man sei bisher kaum informiert worden, und sogar nicht jeder Grossist scheint die auch ihn betreffenden Details zu kennen. Andere wiederum wundert diese Kritik: Denn wenn sich Springer vorher mit anderen Verlagen detailliert abgesprochen hätte, könnte dies kartellrechtlich problematisch sein. rp
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