G+J schreibt Verlust – und will besser, effizienter und digitaler werden

Mittwoch, 27. März 2013
Gruner + Jahr ist 2012 in die roten Zahlen gerutscht
Gruner + Jahr ist 2012 in die roten Zahlen gerutscht


Ein bisschen Pathos ist angesichts der Zahlen sicherlich nicht ganz abwegig: "Es geht um die Zukunft eines der größten Inhalte-Häuser der Welt", rief Julia Jäkel, seit September Deutschland-Vorstand von Gruner + Jahr, bei der G+J-Bilanzpressekonferenz in die Journalistenrunde. Kein Wunder bei diesen Geschäftszahlen für 2012.
Der Umsatz ist, wie teilweise bereits seit den Zahlen der Konzernmutter Bertelsmann bekannt, um 3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gesunken, das operative Ergebnis um 28 Prozent auf 168 Millionen. Grund sind Umsatzverluste in den Anzeigenmärkten für Publikumszeitschriften in Deutschland und anderen europäischen Ländern sowie Investitionen in digitale Geschäftsfelder.

Das Ergebnis (Ebit) brach im vergangenen Jahr gar um 75 Prozent auf 50 Millionen Euro ein, vor allem wegen Sondereffekten, etwa (Sozialplan-) Kosten der Schließung der "FTD" (47 Millionen Euro) sowie Abschreibungen auf die US-Drucktochter Brown Printing (37 Millionen) und die G+J-Zeitschriftentochter im Krisenland Spanien (22 Millionen). Nach Zinsen und Steuern steht sogar ein Verlust (11 Millionen Euro) - nach 2009 erst das zweite Mal in der G+J-Geschichte. Die Umsatzrendite lag 2012 bei 7,6 Prozent (Vorjahr: 10,2 Prozent).

Und 2013? "Für eine optimistische Prognose ist es noch zu früh", sagt Finanzvorstand Achim Twardy. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr einen angemessenen Jahresüberschuss erwirtschaften können." Wenn auch nicht mehr so viel wie in den Rekordjahren 2010 und 2011 mit jeweils rund 160 Millionen Euro.

Ärmel hochkrempeln lautet daher nun die Devise. "Wir wollen das führende Haus der Inhalte sein", so Jäkel: "Dazu müssen wir besser, schneller, effizienter und digitaler werden." Gerade hier, im Digitalen, liegt die größte Baustelle. Daher will Jäkel die Digitalisierung des Kerngeschäfts vorantreiben, inklusive Paid Content. Zudem will sie so genannte "Communties of Interest" erschaffen: "Titel-, Website- und Produkte-Cluster in Interessensgebieten, in denen wir mehr über Themen, Leser und User wissen und über mehr Inhalte verfügen als andere", so Jäkel. Beispiele: Kochen, Wohnen und Eltern. Um diese Inhalte herum will G+J auch neue Geschäfte betreiben wie Paid Services und E-Commerce - und hier akquirieren. Zahlen zum Ist- und Soll-Anteil digitaler Erlöse nennt G+J indes nicht.

Die internationalen Geschäfte entwickelten sich je nach Land unterschiedlich: Frankreich passabel, China wachsend mit Rekordergebnis, Österreich rückläufig, Spanien, Italien und Osteuropa wegen der ökonomischen Rahmenbedingungen schlecht. "Das hat etwas mit überwintern zu tun", formuliert G+J-Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein: "Wie das Jahr 2012 wird auch die Zukunft von Restrukturierungen unserer Print-Geschäfte geprägt sein, gepaart mit erhöhten Investitionen in die digitale Transformation. Dies beinhaltet auch Portfolio-Maßnahmen und die weitere Fokussierung auf die asiatischen Wachstumsmärkte." rp

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