G+J mit Rekordgewinn und Mini-Umsatzplus / Vertriebserlöse unter Werbeumsätzen

Donnerstag, 31. März 2011
Grund zur Freude: Bernd Buchholz kann gute Zahlen verkünden
Grund zur Freude: Bernd Buchholz kann gute Zahlen verkünden


Dicker Scheck: Fürs Geschäftsjahr 2010 kann Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr seinen Gesellschaftern Bertelsmann (74,9 Prozent) und der Verlegerfamilie Jahr (25,1 Prozent) einen Rekordgewinn überweisen: Der Jahresüberschuss stieg auf 166 Millionen Euro - einen höheren Gewinn hatte G+J zuletzt 2005 erzielt, lange vor der Wirtschafts- und Werbekrise. Noch 2009 musste der Verlag gar den ersten Verlust seiner Geschichte vermelden (18 Millionen Euro), weil man in jenem Jahr geballt alle Schmerzen der Krise verbucht hatte, vor allem Restrukturierungskosten, Abfindungen und Wertberichtigungen. Das ist auch die Haupterklärung für den ordentlichen Gewinn jetzt: die massiven Umbauten, Sparprogramme und Stellenstreichungen 2009, in Deutschland vor allem in den Wirtschafts- und Living-Redaktionen sowie beim Vermarkter G+J Media Sales, außerdem in Spanien sowie Sonderabschreibungen im Druckbereich. Denn das Umsatzplus trug 2010 mit bescheidenen 1,6 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro (2009: 2,51) kaum zum Gewinnsprung bei. Dies zeigt: G+J braucht Wachstum und muss seine teilweise bereits 2009 ausgerufenen Ausbau- (China, Onlinevermarktung, Corporate Publishing) und Akquisitionsziele (digitale Fachinformation) nun tatsächlich auch mal in allen Punkten beginnen umzusetzen.

Immerhin stiegen die G+J-Anzeigenerlöse 2010 weltweit (besonders in Deutschland und China) um 3 Prozent auf 731 Millionen Euro. Hier sind allerdings die Werbeerlöse der florierenden G+J-Beteiligung "Sächsische Zeitung"/"Dresdner Morgenpost" nicht mit enthalten. Anders als 2009: Um das Werbeminus damals nicht allzu schlimm aussehen zu lassen, hatte man kurzerhand die Werbeerlöse der Beteiligungen mit eingerechnet und kam so auf eine Gesamtsumme von 772 Millionen Euro. Auf diese Weise betrug das Werbeminus 2009 gegenüber 2008 „nur" 19 Prozent. Unklar ist, ob das G+J-Werbeplus 2010 inklusive der Sachsen-Zeitungen nun höher oder niedriger als 3 Prozent ausgefallen ist.

Sorgen machen müssen die Vertriebserlöse, die noch vor zwei, drei Jahren auserkoren waren, die damals kriselnden - und wohl auch weiterhin unberechenbaren - Werbeeinnahmen auszugleichen: Die G+J-Vertriebserlöse sanken 2010 um 5 Prozent auf 705 Millionen Euro (ohne "Sächsische Zeitung"). Damit haben die Werbe- die Vertriebsumsätze nach nur einem Jahr Ausnahmezustand wieder überholt. Hier wird die Herausforderung mehr denn je darin liegen, das richtige Maß zwischen steigenden Copypreisen und oft sinkenden Auflagen zu finden.

Diese Zahlen teilte G+J am heutigen Donnerstag mit. Das Gesamtabschneiden des Hamburger Verlags war bereits am Dienstag im Rahmen der Bertelsmann-Bilanzpräsentation bekannt geworden: Das operative Ergebnis (Operating Ebit) stieg um 41 Prozent auf 287 Millionen Euro (2009: 203 Millionen) und lag damit ebenfalls deutlich über den Vorkrisenjahren. Die Umsatzrendite stieg auf dieser Basis auf 11,2 Prozent (2009: 8,1 Prozent).

Zieht man vom operativen Ergebnis die berühmten Sondereinflüsse und Einmalbelastungen von nur noch 25 Millionen Euro (2009: 170 Millionen) ab, dann bleibt ein Betriebsergebnis (Ebit) von 262 Millionen Euro, das ist achtmal soviel wie 2009 (33 Millionen). Nach Abzug von Steuern, Zinsen und Pensionsverpflichtungen steht der erwähnte Rekordgewinn von 166 Millionen Euro. G+J wird für 2010 Gewinnbeteiligungen an Mitarbeiter in Deutschland, Frankreich, USA und Österreich in Höhe von insgesamt über 20 Millionen Euro ausschütten. rp
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