G+J dementiert Gespräche über "Darlehen" der Mitarbeiter

Freitag, 24. Juli 2009
Das Pressehaus von Gruner + Jahr
Das Pressehaus von Gruner + Jahr

Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr bringt die Branche ins Staunen und Rätseln. Anlass ist eine interne Mitarbeiterinformation des G+J-Konzernbetriebsrats. Darin schreibt dessen Vorsitzender Bernd Köhler (zugleich Mitglied des G+J-Aufsichtsrates) unter anderem, dass sich die Arbeitnehmervertreter angesichts der Wirtschaftskrise auch "eine Art Darlehen" der Mitarbeiter ans Unternehmen vorstellen könnten, als zeitlich befristeten "Beitrag der Kollegen ... in der Weise ..., dass Mittel, die von ihnen zur Verfügung gestellt, in die Zukunft des Konzerns investiert werden", so Köhler in dem Flugblatt, das HORIZONT.NET vorliegt. Doch was ist damit gemeint? Tatsächlich ein Darlehen in dem Sinne, dass Mitarbeiter dem Konzern aktiv Geld überweisen und leihen? Für Beschäftigungsgarantien - oder für Zinsen? Dies hätte in Zeiten der Krisen und Kreditklemmen durchaus Kapitalmarktrelevanz. Oder ist mit der „Art Darlehen" stattdessen gemeint, dass Mitarbeiter eine bestimmte Zeit lang auf die Auszahlung von Gehaltsleistungen (zum Beispiel Weihnachtsgeld) verzichten, was später, nach der Krise, nachgeholt werden könnte - also eine Art Stundung? Auf Nachfrage von HORIZONT.NET mochte Köhler diese Frage nicht beantworten. Er wolle „zu innerbetrieblichen Informationen keine Erklärungen abliefern", so der G+J-Aufsichtsrat.

Der Verlag selber mag keinen Klärungsbeitrag zur Interpretation der Darlehensfrage leisten. Man spreche nicht für Organe des Betriebsrates, heißt es in der G+J-Pressestelle. Allerdings korrigiert G+J nun erstmals den im Flugblatt vermittelten Eindruck, wonach die Kredit-Idee Gegenstand der laufenden Gespräche mit dem Betriebsrat sei: „Tatsache ist, dass das wie auch immer zu definierende Thema eines sogenannten ,Mitarbeiterdarlehens‘ bislang nicht zwischen Konzernbetriebsrat und Geschäftsleitung in den vertraulichen Gesprächen thematisiert wurde und somit die aktuellen Spekulationen in diesem Kontext jeglicher Grundlage entbehren", sagt Claus-Peter Schrack, Leiter G+J-Unternehmenskommunikation, auf Anfrage von HORIZONT.NET.

Unterdessen haben einzelne G+J-Mitarbeiter ihren schwarzen Humor nicht verloren: Im Pressehaus am Hamburger Baumwall kursiert eine anonyme Satire, die HORIZONT.NET vorliegt. Diese „allerletzte Meldung" (Überschrift) bezieht sich auf die Ankündigung des geschassten Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking, Teile seiner Millionen-Abfindung für soziale Zwecke und Presseförderung zu spenden. „Gerüchte, wonach der Verlag G+J, der seinen Mitarbeitern wegen schlechter Wirtschaftslage ein Notopfer in zweistelliger Millionenhöhe abverlangen will, auch bei Wiedeking vorstellig geworden ist, sind bislang noch nicht bestätigt", heißt es in dem Satire-Flugblatt. rp
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