G+J baut Vermarktung massiv um / Ende der Gruppen News und Style

Freitag, 30. November 2012
Der Umbau am Baumwall geht weiter
Der Umbau am Baumwall geht weiter


Kaum eine Woche ohne gravierende Veränderungen bei Gruner + Jahr. Heute: die Vermarktungssparte G+J Media Sales. Drei Jahre nach dem Radikalumbau Ende 2009 schüttelt Vermarktungschef Stan Sugarman die Organisation zum Jahreswechsel abermals kräftig durch. Dabei werden die beiden großen Vermarktungsgruppen News und Style aufgelöst. Das Ende der "FTD" ist zwar nicht Anlass dafür - aber es passt dazu. "Personelle Maßnahmen" seien dadurch "bis auf weiteres" nicht vorgesehen, so G+J. Seit Dezember 2009 gab es sie, die beiden etwa gleich großen Gruppen News - hier wurden Titel mit vor allem männlichen Zielgruppen vermarktet, also etwa „Stern", „Geo" und die Wirtschaftsmedien - und Style (Frauen-, People- und Living-Titel). Beide Verkaufslinien hatten je einen Innen- und Außendienst. Bis dato hatte es vier Gruppen gegeben, entsprechend den damals noch vier Verlagsgruppen. Durch den Umbau hatte man sich schlankere Strukturen versprochen; es kam damals auch zu einem massiven Stellenabbau.

Auf die Frage, warum er nicht gleich eine einzige Großgruppe mit dann doppeltem Verschlankungseffekt gebaut habe, antwortete Sugarman damals in HORIZONT: „Unsere Kunden unterscheiden zuallererst in männliche und weibliche Zielgruppen. Dieser ersten Differenzierung entsprechen unsere neuen Linien. Außerdem teilt diese Variable das G+J-Portfolio in zwei etwa gleich große Gruppen, die in den Markt hinein gut darstellbar sind."

Das gilt nun offenkundig nicht mehr. Wohl auch deshalb, weil mit dem Ende bzw. Verkauf von „FTD", „Impulse" und „Börse Online" die News-Gruppe deutlich kleiner geworden wäre. Aber es wäre falsch, den Vermarktungsumbau als Folge davon zu sehen, denn Sugarman bastelte schon im Spätsommer an der neuen Struktur - damals war über das Schicksal der Wirtschaftsmedien noch gar nicht entschieden. Anfang Oktober hatte HORIZONT.NET dann über die Pläne bei G+J Media Sales berichtet, anlässlich der Information, dass Style-Anzeigenchef André Pollmann das Haus verlässt - zu Condé Nast, wie später bekannt wurde. Pollmanns Pendant in der News-Sparte, Helma Spieker, verlässt G+J nun nach elf Jahren "in bestem Einvernehmen", teilt der Verlag mit.

Ab 2013 ordnet G+J sein Gesamtportfolio in der Vermarktung nach anderen Kriterien: Im Außendienst, also in den Verkaufsbüros, sollen die Key-Account-Berater für Online und Print künftig „deutlich enger" zusammenarbeiten. Und jeder Werbekunde soll in seinem G+J-Regionalbüro nur noch einen Ansprechpartner für alle G+J-Marken haben, egal ob Print oder Digital. Beides, Crossmedia- und „One Face to the Customer"-Denke, war zwar schon beim Umbau 2009 das Ziel; offenbar gibt es hier aber noch Nachholbedarf. Eine Ausnahme indes bleibt: Für kurzfristige, rein digitale Kampagnen bleibt die Unit G+J Electronic Media Sales (EMS) der zentrale Ansprechpartner, wenn es um Planung und Buchung geht.

Im Innendienst hingegen werden Marketing (Titelpositionierung im Werbemarkt) und Angebotserstellung getrennt. Im Marketing („Brand Solutions") unterteilt Sugarman sein Gesamtportfolio inklusive Online-Mandanten künftig in sieben so genannte „Brand Solutions Groups", die an kleinere Titelgruppen erinnern. Und die Angebotserstellung („Commercial Solutions") für Print und Crossmedia soll künftig mit vier Teams je Region funktionieren. Alle rein digitalen Angebote werden wie bisher von G+J EMS erstellt.

Es bleiben zwei Fragen. Erstens: Warum das alles, neben dem Thema „FTD"-Entflechtung und Verschlankung? „Innovation, Kreativität, Crossmedialität und Geschwindigkeit werden deutlich ausgebaut", so G+J. Die zweite Frage betrifft mögliche Stellenstreichungen. „Personelle Maßnahmen sind bis auf weiteres durch diese Anpassungen nicht vorgesehen", schreibt der Verlag im Pressetext.

Diese Frage ist wohl auch nur im Kontext der Abwicklung von „FTD" und Co zu klären. Laut G+J sind in den angrenzenden Verlagsbereichen (Vermarktung, Vertrieb, Verwaltung) rund 50 Mitarbeiter unmittelbar oder mittelbar davon betroffen. Hier sollen „die Strukturen und Kosten den Veränderungen bei den G+J Wirtschaftsmedien angepasst werden", so der Verlag, vor allem via Fluktuation, etwa durch Altersteilzeit und auslaufende Befristung. rp
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