G+J baut Verlagsgruppen um / Mehr Verantwortung für Jäkel und Lindner

Montag, 28. November 2011
Julia Jäkel und Thomas Lindner teilen sich bisherigen Aufgaben von Volker Breid auf
Julia Jäkel und Thomas Lindner teilen sich bisherigen Aufgaben von Volker Breid auf


Heute geht's Schlag auf Schlag: Vor ein paar Stunden hat Gruner + Jahr nicht ganz überraschend bekannt gegeben, dass Volker Breid, bisher Geschäftsführer der Verlagsgruppe Frauen/Familie/People, ab März Geschäftsführer der G+J-Tochter Motor Presse Stuttgart wird. Und nun ist auch die Zukunft seiner bisherigen Verlagsgruppe klar: Sie wird aufgelöst. Breids Marken werden verteilt - vor allem an Julia Jäkel, Chefin der Sparte Exclusive & Living („Essen & Trinken", „Schöner Wohnen", G+J Corporate Editors). Auch Thomas Lindner, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Stern/Geo/Art, bekommt Aufgaben hinzu. Bereits vor über fünf Wochen hatte HORIZONT.NET über entsprechende Szenarien spekuliert. In der vergangenen Woche verdichteten sich diese Hinweise.

Konkret: Ab 1. Februar 2012 übernimmt Jäkel große Teile von Breids Gruppe mit Titeln wie „Brigitte", „Gala" sowie den Mehrheitsbeteiligungen bei „In", „Grazia" und „11 Freunde" in Berlin. Ihre bisherigen und ihre neuen Marken wird Jäkel „unter einem Dach zusammenführen", teilt G+J mit. Damit wird die 40-Jährige für insgesamt über 20 Medienmarken verantwortlich sein, rechnet der Verlag vor.

Breids Hefte in München - also vor allem die Titelgruppen „Eltern" und „PM" - wandern hingegen ins Reich von Thomas Lindner. Der 46-Jährige wird damit neben seinem bisherigen Job den gesamten Münchner G+J-Standort verantworten; die dort produzierten „Stern"-Ableger „Neon" und „Nido" gehören bereits in seine Gruppe. Außerdem wird der ebenfalls in München ansässige Special-Interest- und Fachverlag G+J Entertainment Media („Musikwoche", Kino.de) bei Lindner angedockt. Bisher berichtete Entertainment-Media-Chef Peider Bach an Matthias Mahler, den kaufmännischen Geschäftsführer von G+J. Ab Februar ist Lindner sein (Bachs) neuer Vorgesetzter.

Was bedeutet das alles? Von den künftig nur noch drei statt vier Verlagsgruppen von G+J Deutschland dürfte Jäkel dann die (fast) umsatzstärkste Sparte führen; G+J nennt hier keine Zahlen. Bisher war Lindners Gruppe die klare Nummer eins. Es ist Ritterschlag und Vertrauensbeweis für Jäkel, die mit ihrer Verlagsgruppe Exclusive & Living „über die letzten Jahre eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben“ habe und nun fortschreiben werde, so G+J-Chef Bernd Buchholz mit Blick auf Auflagen- und Anzeigenerfolge. Daneben gilt aber auch: In ihren neuen Großorganisationen dürften sich Jäkel und Lindner bald auf die Suche nach den berühmten Synergien machen, etwa hinsichtlich Food- („Brigitte“, „Essen & Trinken“), Familien- („Eltern“, „Nido“) und Wissensthemen („Geo“, „PM“).

Mit deutlich größerem Abstand als bisher rangieren fortan die G+J Wirtschaftsmedien (Geschäftsführung: Ingrid Haas) abgeschlagen auf Platz drei. Diese Position wirft weitere Fragen auf: Was ist, wenn „FTD" und Co die Gewinnzone erreichen - werden die Wirtschaftsmedien, die sich bis dahin weiterhin alleine ohne Quersubventionierungen in Richtung Profitabilität kämpfen müssen, dann in die „Stern"-Gruppe eingemeindet?

Das klingt zunächst abwegig (genauso abwegig wie noch vor ein paar Monaten die Idee geklungen hätte, Breids und Jäkels Gruppe zusammenzulegen ...), entspräche aber genau der Logik, nach der fast das gesamte deutsche G+J-Portfolio seit Ende 2009 vermarktet wird: Hier gibt es die News-Sparte für männliche Zielgruppen („Stern", „Geo", Wirtschaftsmedien) und die Style-Division für Frauentitel, inklusive Exclusive & Living. Doch wenn der „FTD" die immer wieder proklamierte Gewinnperspektive dauerhaft abhanden kommt? Auch dann könnte das Zwei-Gruppen-Szenario eintreten - falls G+J seine Wirtschaftsmedien verkauft oder schließt. Wie gesagt: Theorie und Spekulation.

G+J-Chef Bernd Buchholz nutzt derweil jede Gelegenheit, um Haas und ihrer Truppe den Rücken zu stärken. „Die wirtschaftliche Perspektive stimmt“, sagte er vor ein paar Wochen im Fachblatt „Wirtschaftsjournalist“. Und bei einer Mitarbeiter-Informationsveranstaltung am Montag hat er nach Angaben von Teilnehmern erklärt, die G+J Wirtschaftsmedien seien die Gruppe mit dem größten Zukunftspotenzial in Sachen Digitalisierung. rp
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