G+J baut Living-Redaktionen um / 18 Stellen fallen weg

Mittwoch, 28. Oktober 2009
Geschäftsführerin Julia Jäkel
Geschäftsführerin Julia Jäkel

Die Umbauten in Europas größtem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr gehen weiter. Nach Wirtschaftspresse und Vermarktung sind nun die Redaktionen der Publikumstitel der Verlagsgruppe Exclusive & Living an der Reihe; hier erscheinen sieben Food- und Wohnmagazine. Ein Teil der Aufgaben wird zusammengelegt, andere Redaktionsleistungen werden outgesourct. Jeder Titel behält aber seine eigene Kernredaktion. Im Zuge der Maßnahmen, die bis Dezember umgesetzt sein sollen, streicht G+J 18 Stellen (darunter zehn betriebsbedingte Kündigungen), das sind 15 Prozent der geschätzt bisher rund 120 redaktionellen Posten der G+J-Living-Magazine. G+J bestätigt die geplanten Umbauten mittlerweile. In der Verlagsgruppe (Geschäftsführung: Julia Jäkel) erscheinen die fünf Monatstitel „Essen & Trinken" (Chefredakteurin: Katja Burghardt), „Schöner Wohnen" (Stephan Schäfer), „Living at Home" (Jenny Levié), „Essen & Trinken für jeden Tag" (Wolfgang Zahner) und „Flora Garten" (Holger Radloff) sowie die beiden zweimonatlichen Magazine „Häuser" (Wolfgang Nagel) und „Dogs" (Thomas Niederste-Werbeck). Außerdem liegt derzeit versuchsweise das Männerkoch- und Lifestyleheft „Beef" (Jan Spielhagen) am Kiosk.

Die Veränderungen im Einzelnen: Unterstützende Funktionen wie Sekretariate, Leserservice, Honorarbuchhaltung und Versuchsküche werden titelübergreifend im neuen „Living-Service-Team" zusammengeführt; die Zuständigkeiten teilen die Chefredakteure unter sich auf. Alle Schlussredaktionen, fünf Bildredaktionen (außer bei „Flora Garten" und „Häuser") sowie die Grafik von „Essen & Trinken" werden an externe Dienstleister vergeben. Das Fotoatelier von „Schöner Wohnen" wird verkauft oder geschlossen. Jedes Magazin behält ein unabhängiges Kernteam aus Chefredaktion, Artdirektion und Textredaktion, so Geschäftsführerin Julia Jäkel am Mittwoch vor Mitarbeitern. Damit geht sie einen anderen Weg als die G+J-Wirtschaftspresse mit ihrer großen Zentralredaktion.

Doch eine Parallele zum Umbau der Wirtschaftssparte gibt es: Hier wie dort weisen die Kaufleute die Urheberschaft von sich. „Unser neues Modell wurde von den Chefredakteuren der Gruppe initiiert und entwickelt", sagt Jäkel. Sie hält den Umbau für „unausweichlich, um uns für die Zukunft zu rüsten". Vor allem, so darf man vermuten, wegen mittel- und langfristiger Kostenersparnis in Millionenhöhe, wenn ihre Titel, die höchstens monatlich produziert werden, nicht mehr jede Leistung selbst und ständig zur Verfügung halten müssen.

Jäkel betont indes einen anderen Grund: die redaktionelle Qualität. So sei es bei „Schöner Wohnen" etwa „längst nicht mehr zeitgemäß, Beispiele für schönes Wohnen immer nur im eigenen Fotostudio nachzubauen. Was einmal ein großer Mehrwert für den Leser war, wirkt heute kühl und distanziert." Die Redaktion greife daher die Vorschläge ihrer Trendscouts in aller Welt auf und beauftrage Fotografen, das reale Leben „on location" einzufangen.

Bei der „Modernisierung der Strukturen" in ihrer Gruppe kommt Jäkel zupass, dass die Chefredakteure ihrer wichtigsten Titel relativ frisch im Amt sind und andere Verlage als Vergleich gut kennen - vor allem Schäfer (seit Juli 2009, vorher „Maxi"), Levié (seit März 2008, vorher „Bunte", „Bild", „Instyle") und Burghardt (seit 2006, vorher „Petra", „Vital"). Und auch Jäkel selbst ist erst seit gut einem Jahr auf ihrem Posten. Zuvor hatte jahrzehntelang Verlegertochter und G+J-Mitgesellschafterin Angelika Jahr auf allen wichtigen Posten in der Gruppe gewirkt. rp
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