G+J: Wirtschaftspresse laut Medienberichten vor dem Aus

Montag, 12. November 2012
G+J-Vorstand Julia Jäkel: Die schwierige Suche nach einer Strategie für die Wirtschaftspresse
G+J-Vorstand Julia Jäkel: Die schwierige Suche nach einer Strategie für die Wirtschaftspresse


Um die Zukunft der kriselnden Wirtschaftsblätter von Gruner + Jahr ("Financial Times Deutschland", "Capital") gibt es seit geraumer Zeit wilde Spekulationen. Eines von unzähligen Szenarien spielt nun der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe durch: Dem Bericht zufolge soll die "FTD" nur noch zweimal wöchentlich in gedruckter Form erscheinen und den Abonnenten ansonsten als digitale Ausgabe zugestellt werden. Doch einem anderen Medienbericht zufolge ist offenbar auch die Schließung des Segments eine Option.

Bruttowerbeumsatz ausgewählter Wirtschaftsmagazine in Deutschland

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Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bringt das radikalste aller Szenarien explizit ins Spiel: "Die Tendenz geht gegen Schließung", zitiert die Zeitung einen Verlagsmanager. Eine Entscheidung des Vorstands sei allerdings noch nicht gefallen. Auch das Modell, über das der "Spiegel" berichtet, findet dem Nachrichtenmagazin zufolge Anklang im Vorstand. Ob diese Strategie zur signifikanten Kosteneinsparung taugt, ist aber offenbar umstritten. Immerhin macht die Gemeinschaftsredaktion von "FTD" und "Capital", zu der auch die Redakteure von "Impulse" und "Börse Online" gehören, laut "Spiegel" derzeit einen Verlust von rund 10 Millionen Euro.

Dem Nachrichtenmagazin zufolge will Julia Jäkel, die neue starke Frau im Verlag, gemeinsam mit ihren Vorstandskollegen Torsten Jörn-Klein und Achim Twardy bis zur Aufsichtsratssitzung am 21. November entscheiden, was mit den Wirtschaftsblättern geschehen soll. "Wir schauen uns die Entwicklung an und überlegen, wie wir in Zukunft weitermachen", zitiert der "Spiegel" Jäkel. Gruner + Jahr wollte die "wüsten Spekulationen" auf Anfrage von HORIZONT.NET nicht weiter kommentieren.

Zur Einordnung: Was die "FTD" betrifft, ist eine Vielzahl von Modellen denkbar, auch die Version einer abgespeckten und durch digital-Angebote ergänzten Printausgabe wurde bereits mehrfach kolportiert. Unabhängig von der Erscheinungsweise ist der verstärkte Gang des im Anzeigengeschäft schwächelnden Titels (siehe Chart) auf Smartphones und Tablets aber vermutlich unvermeidbar. Chefredakteur Steffen Klusmann jedenfalls wollte bereits zu Beginn des Jahres im HORIZONT-Interview "nichts ausschließen". ire
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