G+J: Wie "Brigitte" gesellschaftliche Frauen-Debatten als Rückenwind nutzen will

Donnerstag, 31. Januar 2013
Die "Brigitte"-Chefs Stephan Schäfer und Brigitte Huber
Die "Brigitte"-Chefs Stephan Schäfer und Brigitte Huber


Frauen auf dem Vormarsch: Gruner + Jahrs Frauenmagazin-Flaggschiff „Brigitte" hat ein Thema gefunden, um seine zweite Heftüberarbeitung binnen weniger Monate rhetorisch zu umkleiden. „Frauenfragen spielen eine immer größere Rolle in der gesellschaftlichen Diskussion, und diese Themen wollen wir führend und nachhaltig besetzen", sagt Stephan Schäfer, seit August 2012 Chefredakteur des 14-täglichen Magazins und seit Oktober auch Geschäftsführer der Verlagsgruppe, in einem Pressegespräch.
Der Erklärungsbedarf ist offensichtlich: Erst im Sommer hatte die damalige Chefredakteurs-Doppelspitze Andreas Lebert und Brigitte Huber ihrer „Brigitte" ein Re-Design verpasst - kurz darauf verließ Lebert das Haus, Schäfer folgte an die Seite von Huber. „Wir hatten das Gefühl, noch etwas verändern zu müssen", sagt Huber, die auch das Re-Design im Sommer mit entwickelt und verkündet hatte.

Seit Jahreswechsel sieht man die Handschrift des neuen Chefredakteurs-Duos Huber und Schäfer im Heft: ein leichterer, wenn auch kleinteiligerer Einstieg über ein paar Seiten mit kurzen Produkt-, Mode-, Rezept- und Kulturtipps ersetzt den bisherigen „intellektuelleren, aber auch sperrigen" (Huber) Heftbeginn. Mit mehr und längeren Reportagen, Interviews und Portraits zu gesellschaftlichen Fragen, aber auch zu Modethemen, sowie mehr Seiten beim Schwerpunkt-Dossier will „Brigitte" ihre journalistische Relevanz erhöhen, gerade in Zeiten von Quoten-, Sexismus- und sonstigen gesellschaftlichen Diskussionen rund um Frauenthemen. Darauf soll auch die gerade gestartete Veranstaltungsreihe „Brigitte Live: Frauen wählen!" einzahlen, bei der die Chefredakteure Spitzenpolitikerinnen zum Talk bitten.

Und sonst? Die Ohne-Models-Philosophie im so wichtigen Modeteil wurde bekanntlich im Herbst beendet, und seit Jahreswechsel lässt die „Brigitte" ihre Wohnseiten vom hauseigenen Titel „Living at Home" konzipieren, Stellen wurden abgebaut, außerdem die Versuchsküchen von „Brigitte" und „Essen & Trinken" zusammengelegt. Jetzt muss es Schäfer und Huber nur noch gelingen, mit dem abermals veränderten Heft den segmenttypischen Auflagenrückgang zu stoppen. Im 4. Quartal 2012 sanken die Verkäufe erneut deutlich, diesmal um 9,2 Prozent auf nun nur noch 577.049 Hefte. rp

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