G+J: Werbeerlöse um 19 Prozent gesunken / Sparprogramm zeigt Wirkung

Donnerstag, 25. März 2010
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Jetzt erhält die globale Werbekrise in Gruner + Jahrs Bilanz eine Hausnummer: Um massive 19 Prozent sind die G+J-Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr gesunken - von weltweit 953 Millionen im Jahr 2008 auf nur noch 772 Millionen Euro. Zur gleichen Zeit sanken auch die Vertriebserlöse: von rund 850 Millionen um knapp 5 Prozent auf jetzt 811 Millionen Euro. Somit überholen die Vertriebs- nun erstmals die Werbeerlöse; dies hatte sich bereits in der G+J-Halbjahresbilanz gezeigt. Allerdings tragen die Vertriebseinnahmen wegen ihrer Rückgänge bislang, wohl anders als erhofft, nur bedingt zur Stabilisierung des Gesamtumsatzes bei. Hier wird die Herausforderung mehr denn je darin liegen, das richtige Maß zwischen steigenden Copypreisen und oft sinkenden Auflagen zu finden.

Diese Detailzahlen teilte G+J heute mit. Das Gesamtabschneiden des Hamburger Verlags war bereits am Dienstag dieser Woche im Rahmen der Bilanzpräsentation der Konzernmutter Bertelsmann bekannt geworden: Der G+J-Gesamtumsatz sank 2009 um 9,4 Prozent auf 2,51 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,77 Milliarden), davon wie im Vorjahr 54 Prozent im Ausland. Das Operating Ebit fiel um 9,8 Prozent auf 203 Millionen Euro (Vorjahr: 225 Millionen); die Umsatzrendite - auf dieser Basis - blieb somit konstant bei 8,1 Prozent.

Zieht man vom operativen Ergebnis indes die berühmten „Sondereinflüsse" in Höhe von 170 Millionen Euro ab - Einmalbelastungen wie Wertabschreibungen, Abfindungszahlungen und weiterer Restrukturierungsaufwand -, dann bleibt ein schlankes Betriebsergebnis (Ebit) von 33 Millionen Euro, das sind 80 Prozent weniger als 2008 (170 Millionen Euro). Auf dieser Basis betrug die Umsatzrendite 2009 nur 1,3 Prozent (Vorjahr: 6,1 Prozent). Nach Abzug von Steuern, Zinsen und Pensionsverpflichtungen steht gar, wie bereits vermeldet, der erste Verlust in der G+J-Geschichte unterm Strich: 18 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 88 Millionen Euro Gewinn.

Ein genauer Blick in die Bilanz zeigt aber auch: G+J hat 2009 die Schmerzen der Wirtschafts- und Werbekrise verbucht. In den 170 Millionen Euro Sondereinflüssen, die G+J das Ergebnis verhageln, stecken 60 Millionen Euro Restrukturierungs- und Abfindungskosten (etwa in Deutschland die Umbauten der Wirtschafts- und Living-Redaktionen sowie Media Sales), weitere über 60 Millionen Euro ähnliche Aufwendungen und Wertberichtigungen bei der Druckbeteiligung Prinovis, 21 Millionen Euro Firmenwertabschreibung bei G+J Spanien sowie 13 Millionen Euro Wertberichtigung auf Immobilien. Das alles ist jetzt abgehakt.

"Weit über 200 Millionen Euro" habe man 2009 durch kurzfristige Kostensenkungs- und erste Wirkungen der längerfristig greifenden Umbaumaßnahmen gespart, so G+J. Das ist fast so viel wie der Umsatzverlust (261 Millionen Euro). Die Effekte werden besonders im Halbjahresvergleich deutlich: So stieg das operative Ergebnis von 55 Millionen Euro im 1. Halbjahr auf 148 Millionen Euro in der 2. Jahreshälfte an. „Wir haben unsere Hausaufgaben erfolgreich gemacht", kommentiert Vorstandschef Bernd Buchholz und blickt „äußerst optimistisch in die Zukunft". Für dieses Jahr erwartet G+J eine „Stabilisierung von Umsätzen und operativem Ergebnis und damit wieder einen angemessenen Gewinn". rp/se
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