G+J: Verlust 2009 "höchstwahrscheinlich" / Umbau in Redaktionen?

Donnerstag, 08. Oktober 2009
CEO Bernd Buchholz: Im Zeitschriftengeschäft gebe es eine "Niveauabsenkung"
CEO Bernd Buchholz: Im Zeitschriftengeschäft gebe es eine "Niveauabsenkung"

Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr rechnet immer stärker damit, auch im Gesamtjahr in die Verlustzone zu rutschen. G+J schreibe 2009 „höchstwahrscheinlich" rote Zahlen, sagte Finanzvorstand Achim Twardy auf einer Informationsveranstaltung am Mittwoch vor Mitarbeitern. Dies berichten mehrere Teilnehmer. Gemeint ist offenbar das Betriebsergebnis (Ebit), das bereits im 1. Halbjahr negativ ausfiel (minus 57 Millionen Euro). Bisher hatte G+J Verluste fürs Gesamtjahr lediglich nicht ausgeschlossen. Beim Umsatz rechnet Twardy mit Einbußen von 250 bis 300 Millionen Euro. Ein G+J-Sprecher wollte sich zu den Inhalten der „internen Veranstaltung" nicht äußern. Damit der Verlag nicht auch operativ - ohne Berücksichtigung von Sonderaufwendungen wie Abfindungszahlungen und Firmenwertabschreibungen - Verluste einfährt, seien in diesem Jahr Einsparungen in Höhe von insgesamt 200 Millionen Euro notwendig, gab Twardy den Angaben zufolge dieser seit einigen Wochen bekannten Zahl eine neue Bedeutung: als Maßnahme gegen sogar operative Verluste. Im 1. Halbjahr lag das Operating Ebit noch mit 55 Millionen Euro im Plus - damit allerdings nur noch halb so hoch wie im Vorjahr.

Den Angaben der Veranstaltungsteilnehmer zufolge setzen sich die 200 Millionen Euro laut Twardy wie folgt zusammen: je 60 Millionen Euro sollen bei G+J Deutschland sowie bei den (Druckerei-) Beteiligungen gespart werden, 20 Millionen Euro in Frankreich und weitere 60 Millionen Euro im übrigen Auslandsgeschäft. Schon zur Halbjahresbilanz hatte G+J mitgeteilt, dass der Verlag bis dato bereits 80 Millionen Euro gespart habe. Die jetzt angeschobenen Umbaumaßnahmen, etwa in der Vermarktung, gingen jedoch nicht aufs Konto des 200-Millionen-Sparziels, sondern dienten dazu, Erlöse und Profitabilität mittelfristig wieder aufs Vorkrisen-Niveau zurückzuführen. 2007 lag die operative Umsatzrendite bei 9,3 Prozent, im ersten Halbjahr 2009 bei 4,5 Prozent.

Im Zeitschriftengeschäft gebe es eine „Niveauabsenkung"; die früheren Umsätze werde man nach der Krise nur zum Teil zurückgewinnen können, sagte CEO Bernd Buchholz den Teilnehmern zufolge. Und da Line-Extensions, neue Nischentitel und das viel zitierte „Expand your Brand"-Programm inklusive aller „Restrukturierungen" nicht ausreichten, um die Umsatzverluste im Kerngeschäft zu kompensieren und langfristig organisches Wachstum zu sichern, müsse G+J andere Geschäftsfelder ausbauen (Onlinevermarktung, multimediales Corporate Publishing, weitere B-to-B-Dienstleistungen wie Vermarktung und Vertrieb), weiter internationalisieren (China, Indien) sowie so genanntes „Professional Publishing" als neue Säule mittelfristig aufbauen: Fachinformation, Online-Datenbanken, Veranstaltungen und Marktforschung für Kunden aus Industrie und Handel. Hier nannte Buchholz dem Vernehmen nach erstmals internationale Beispiele, etwa die Fachinformationssparten von Emap (England) mit seiner Trendforschungsagentur WGSN, Hearst (USA) und Sanoma (Finnland). Der Aufbau dieser Geschäfte sei G+J nur mit Partnern oder Akquisitionen möglich.

Zudem betonte Buchholz erneut, dass der Umbau des Zeitschriftengeschäftes weitergehen müsse - auch in den Redaktionen. Hier sprach er den Angaben zufolge von notwendigen objektübergreifenden „Plattformstrukturen statt autarken Manufakturen", um „journalistische und verlegerische Dienstleistungen" intern und extern anbieten und damit die Größenvorteile des Hauses besser nutzen zu können. Die Zentralredaktion der G+J-Wirtschaftsmedien sei dafür zwar „keine Blaupause", aber doch eines der vielen „Denkmodelle", ebenso wie die Redaktionsstruktur bei der österreichischen G+J-Tochter News, die mit „Kompetenzteams" für die Themenbereiche People, Style, Wirtschaft und Politik mehrere Titel beliefere. rp
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