G+J: „Stern“ stellt Projekt mit Neofonie zurück / Flaggschiff fehlt in Onlinekiosk Pubbles

Donnerstag, 07. Oktober 2010
Pubbles startet zunächst ohne den "Stern"
Pubbles startet zunächst ohne den "Stern"
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Der Star fehlt auf der Bühne: In Gruner + Jahrs Onlinekiosk Pubbles, der in dieser Woche an den Start gegangen ist, fehlt Gruner + Jahrs wichtigstes Magazin - der „Stern". Auch in der Liste jener Titel, die zum „nächstmöglichen Termin" (Presseinfo) über Pubbles erhältlich sein sollen, taucht das G+J-Flaggschiff nicht auf. Das verwundert, weiß man doch gerade bei G+J und der fürs Projekt Pubbles verantwortlichen Vertriebstochter DPV aus den vergangenen mühseligen Monaten der (externen) Partnersuche, wie wichtig attraktive Inhalte für die Zugkraft des ambitionierten Onlinekiosks sind. Zudem haben sich gerade G+J auf seiner Bilanz-PK im März und kurz darauf das "Stern"-Team mit Ankündigungen in Sachen E-Magazine hervorgetan.

Tobias Seikel
Tobias Seikel
Warum also steht der „Stern" bisher nicht bei Pubbles im digitalen Kioskregal? Man arbeite an einer „redaktionsnahen Umsetzung für das iPad", antwortet Tobias Seikel, stellvertretender „Stern"-Verlagsleiter: „Diese Lösung ist anspruchsvoll und keine pdf-Lösung." Man wolle das „Stern"-E-Magazine erst dann online anbieten, „wenn diese Lösung unseren Erwartungen entspricht". Man plane, noch in diesem Jahr damit auf dem iPad zu sein, und „eine Lösung für Pubbles soll gemäß unserer geräteunabhängigen Strategie folgen". Das klingt, als müsse der hauseigene Onlinekiosk noch länger auf das wichtigste hauseigene Magazin warten.

In der Betonung von Apples iPad liegt zudem ein neuer Zungenschlag des „Stern"-Teams. Kein Wunder: Es existiert und es funktioniert. Bisher hatte man dort die (zeitliche) Priorisierung einzelner Tablet-Geräte vermieden und stattdessen auf die Entwicklung einer übergreifenden Publishing-Software gesetzt, die Daten auch aus der Heftproduktion fast automatisch in ein Digitalmagazin umwandelt - für alle Plattformen. Mit der Entwicklung dieser Software ist das bisher renommierte IT-Haus Neofonie beauftragt - jenes Unternehmen also, das mit seinem ersten Hardware-Produkt, dem Tablet-Rechner WeTab, bislang keine glückliche Hand hatte und in seiner Kommunikation gravierende Fehler machte.

Und nun verabschiedet sich der „Stern" von seiner ursprünglichen Vision, zumindest vorerst. „Die Entwicklung eines plattformübergreifenden Publishing-Systems mit Neofonie als Basis für das ,Stern‘-E-Magazine ist zurückgestellt", sagt Seikel auf Anfrage. Das „Stern"-E-Magazine fürs iPad werde mit einem anderen Softwareanbieter realisiert; dem Vernehmen nach mit Woodwing. Wann die übergreifende Lösung kommt, die dann auch Pubbles multimedial bestücken kann - unklar. Mit einer einfachen pdf-Version wollen sich die "Stern"-Macher offenkundig nicht begnügen. Dann lieber erstmal gar nicht.

Der Grund für das Zurückstellen der plattformübergreifenden Lösung dürfte weniger die derzeit schlechte Presse des Partners Neofonie sein, sondern eher die Komplexität des Projektes, die alle Beteiligten offenbar krass unterschätzt haben. Der Kollateralschaden - dass der „Stern" vorerst in Pubbles fehlt - ist jedenfalls groß. rp
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