G+J: Markengeschäft kann Druckerei-Rückgänge nicht mehr auffangen

Donnerstag, 02. April 2009
"Strukturelle Herausforderungen": G+J-Chef Bernd Buchholz
"Strukturelle Herausforderungen": G+J-Chef Bernd Buchholz

Erneut hat das angestammte Druckgeschäft Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr die Jahresbilanz verhagelt: Der Beteiligungsumsatz, in dem G+J vor allem seine Anteile an Europas größtem Tiefdruckkonzern Prinovis sowie an der US-Drucktochter Brown Printing konsolidiert, ist 2008 um 3,7 Prozent auf rund 790 Millionen Euro gesunken. Der Gewinn vor Finanzergebnis, Steuern und Sondereinflüssen (Operating Ebit) fiel gar um ein Drittel auf 44 Millionen Euro, die Umsatzrendite sank auf 5,6 Prozent (Vorjahr: 8,0 Prozent). Diese Detailzahlen teilte G+J heute mit. Das Gesamtabschneiden des Hamburger Verlags war bereits in der vergangenen Woche im Rahmen der Bilanzpräsentation der Konzernmutter Bertelsmann bekannt geworden: Der G+J-Gesamtumsatz sank 2008 um 2,2 Prozent auf 2,77 Milliarden Euro, davon 54,6 Prozent im Ausland (2007: 54 Prozent). Das Operating Ebit fiel um 14,8 Prozent auf 225 Millionen Euro, die Umsatzrendite von 9,3 auf 8,1 Prozent und das Betriebsergebnis (Ebit) um 25,4 Prozent auf 170 Millionen Euro. Besonders das Geschäft in den G+J-Kernmärkten Deutschland, Spanien und Frankreich litt unter der Wirtschaftskrise. "Das Ergebnis ist vor dem Hintergrund der Krise okay", sagte Bernd Buchholz, seit Januar Vorstandsvorsitzender von G+J, an diesem Donnerstag vor der Presse. Aber: "Für das größte europäische Zeitschriftenhaus ist ,okay' langfristig nicht gut genug."

Beim stark gesunkenen Ebit schlugen unter anderem „Restrukturierungskosten" und Abfindungen mit insgesamt 35 Millionen Euro negativ zu Buche, etwa für den Umbau der deutschen Wirtschaftsredaktionen, die Einstellung von sechs Magazinen (in Deutschland: „Park Avenue") sowie im Druckbereich. Allein Investitionen (plus 11,3 Prozent auf 138 Millionen Euro) und die Zahl der Mitarbeiter (plus 3,4 Prozent auf 14.941) sind 2008 gestiegen.

Das so genannte Markengeschäft kam 2008 noch relativ glimpflich davon: Die G+J-Umsätze mit Medienangeboten (Print und Digital), Merchandising und Messen gingen nur um 1,5 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro zurück; das Operating Ebit sank um 8,6 Prozent auf 181 Millionen Euro und die Umsatzrendite von 9,9 auf 9,1 Prozent. Der augenfällige Unterschied zu 2007: Im vergangenen Jahr hat G+J den massiven Umsatz- und Ergebnisrückgang seiner Druckereien nicht mehr durch Zuwächse im Medien- und Markengeschäft auffangen können.

Und das, obwohl die weltweite Wirtschaftskrise erst im 2. Halbjahr 2008 so richtig ausbrach. G+J selber spricht davon, dass sich 2008 "erste Auswirkungen" der Rezession in allen westeuropäischen Märkten bemerkbar machten, vor allem durch "teilweise deutliche Rückgänge der Anzeigenumsätze". Für dieses Jahr verheißt das wenig Gutes, denn 2009 dürfte ein vollständiges Krisenjahr werden. "Wir müssen den strukturellen Herausforderungen auch durch die Bereitschaft zur Veränderung unserer Strukturen begegnen", sagt Buchholz wohl nicht nur retrospektiv: "Noch liegt die schwierigste Etappe nicht hinter uns." Im Januar und Februar lägen die G+J-Anzeigenumsätze "prozentual zweistellig" unter Vorjahr, so der CEO.

Immerhin: Die Vertriebsumsätze zeigten sich 2008 gegenüber den konjunkturellen Schwankungen insgesamt "robust", heißt es. Künftiges Wachstum sieht Buchholz im Ausland und, ähnlich wie 2008, im Corporate Publishing, in der digitalen Vermarktung und einmal mehr in der Diversifizierung der Medienmarken in weitere Geschäfte. Dass diese viel zitierte "Expand your Brand"-Strategie spektakuläre Würfe bislang verhindert hat, sieht G+J-Finanzvorstand Achim Twardy nun als Vorteil: "Es hat sich als strategisch richtig erwiesen, dass wir unsere Mittel besonnen in den systematischen Ausbau unserer eigenen Geschäfte investiert haben, statt mit teilweise astronomischen Kaufsummen zu akquirieren." G+J werde diese Investitionspolitik fortsetzen, verfüge jedoch über "Handlungsspielräume, um bei Opportunitäten am Markt aktiv werden zu können".

Nach dem Vorbild des Mehrheitsgesellschafters Bertelsmann verzichtet auch der G+J-Vorstand im Krisenjahr 2009 auf Tantiemen und Boni, die ungefähr die Hälfte der Bezüge ausmachen. Buchholz will das indes nicht als Aufforderung an die Mitarbeiter verstanden wissen, es dem Vorstand gleichzutun, sondern als Signal, dass es „nicht nur raffgierige Manager" gebe, und um die „gefühlte Kluft zwischen Arbeitnehmern und Managern" nicht größer werden zu lassen. rp

Mehr zu Gruner + Jahrs Strategie gegen die Wirtschaftskrise lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 14/2009, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
Meist gelesen
stats