G+J: Löst Christian Krug „Gala“-Chefredakteur Peter Lewandowski ab?

Montag, 24. September 2012
Christian Krug
Christian Krug

Seit dem Aufrücken von Julia Jäkel in den Vorstand von Gruner + Jahr vergeht kaum ein Tag ohne Personalien oder Personalspekulationen im Hause. Nach der Beförderung von Vermarktungschef Stan Sugarman zum Auch-Digitalchef - auch dies kursierte vorher als Spekulation durchs Haus - sind nun die Chefredakteure der großen Titel „Stern" und „Gala" Gegenstand der Gerüchtelage. Vorab: Nein, Jäkels Multi-Chefredakteur Stephan Schäfer ist bisher für keinen dieser Posten im Gespräch. Laut „Hamburger Abendblatt" ist „nach Stand der Dinge bisher offenbar ein Wechsel halbwegs fix": Christian Krug, früher mal Chefredakteur von „Max" und seit Oktober 2010 Editorial Director der G+J-Kundenmediensparte Corporate Editors, soll demnach Peter Lewandowski als Chefredakteur von „Gala" ablösen. Zuvor hatte schon der Branchendienst „Meedia" dieses Szenario aufgeschrieben. Lewandowski ist seit Ende 2001 „Gala"-Chef.

Bereits Anfang August hat Jäkel gezeigt, dass sie bei Personalentscheidungen nicht lange fackelt. Damals war sie noch kein Vorstand, sondern „nur" Geschäftsführerin der Anfang des Jahres fusionierten Verlagsgruppe Life - und damit nun auch für das Flaggschiff „Brigitte" zuständig. Einen Tag nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschutz löste Jäkel den ebenfalls seit zehn Jahren amtierenden „Brigitte"-Chefredakteur Andreas Lebert durch Schäfer ab.

Und als G+J-Deutschland-Vorstand ist Jäkel nun auch für die Verlagsgruppe Agenda mit ihren Paradetiteln „Stern" und „Geo" ober-verantwortlich (Geschäftsführer: Thomas Lindner). Beim „Stern" hatte Lindner unter dem früheren G+J-Deutschlandchef (und CEO) Bernd Buchholz bereits die langfristige Nachfolge für das Chefredakteurs-Duo Thomas Osterkorn und Andreas Petzold (dem die „Süddeutsche Zeitung" neulich nachsagte, sie gälten nach über zehn Jahren „als ausgelaugt") eingefädelt: Seit 2011 ist Dominik Wichmann, zuvor lange beim „SZ Magazin", Stellvertreter von Osterkorn und Petzold beim „Stern" und läuft sich als Blattmacher warm. Wann Wichmann nun letztlich das Duo ablöst - unklar.

Und bei „Geo"? Hier wirkt Peter-Matthias Gaede, 61, seit 1994 als Chefredakteur. Zur Frage, wie aktuell oder gar akut eine Nachfolgeregelung sein könnte, ist im Hause derzeit wenig zu hören, ebenso wenig über mögliche Kandidaten.

Derweil machen die Spekulationen auch vor der Verlagsseite nicht halt. Denn bekanntlich übt Jäkel derzeit noch eine Doppelfunktion aus – sie fungiert nämlich nach wie vor als Geschäftsführerin der Life-Gruppe mit Titeln wie „Brigitte“, „Gala“, „Grazia“, „In“, „Essen & Trinken“, „Schöner Wohnen“, „National Geographic Deutschland“, „11 Freunde“ und G+J Corporate Editors. Auf Dauer sind beide Ämter, Deutschland-Vorstand und operative Geschäftsführung, nebeneinander wohl kaum zu bewältigen. Daher kursieren längst Überlegungen, wen Jäkel als ihren Nachfolger als Life-Chef installieren könnte.

Hier fällt bisweilen der Name Axel Wüstmann, seit Anfang 2010 als Geschäftsführer Operations (IT, Verwaltung, Einkauf) bereits im G+J-Geschäftsführergremium vertreten. Bis vor ein paar Tagen war er auch fürs Digitalgeschäft zuständig – das er nun aber an Sugarman abgeben musste. Wüstmann soll jetzt „anderweitige Führungsaufgaben“ bei G+J übernehmen, heißt es. Er gilt im Haus als fähiger Manager mit einschlägiger Vergangenheit: Von Oktober 2008 bis Anfang 2010 war er Verlagsleiter der „Brigitte“-Gruppe (als Nachfolger von Jäkel). Wüstmann begann seine Laufbahn bei G+J als Trainee im Deutschen Pressevertrieb DPV und arbeitete danach als Vorstandsassistent, stellvertretender „Stern“-Verlagsleiter und Geschäftsführer von Stern.de.

Es könnte aber auch alles ganz anders kommen, zumindest längerfristig. Denn die einst so mächtigen Verlagsgruppen sind seit Ende 2008 ohnehin von fünf auf nunmehr drei geschrumpft und mussten seitdem immer mehr Einfluss abgeben. Schon 2006 wurde der Vertrieb zentralisiert, dann die operative Vermarktung und zuletzt, Ende 2009, auch die Verantwortung für die Werbeerlöse. Und nun auch noch das Digitalgeschäft. Auf diese Weise werden die Verantwortlichen in den drei Markengruppen immer mehr zu Objektmanagern in einer Matrix mit starken Zentralfunktionen. Daher darf spekuliert werden, ob und wann Neu-Vorstand Jäkel auch die verblieben drei Verlagsgruppen (Agenda, Life, Wirtschaftsmedien) auflöst und das Portfolio vielleicht nach dem Vorbild der neuen Parenting GmbH (Eltern.de, Urbia.de) nach Zielgruppen sortiert. rp
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