G+J: Jahr-Holding-Geschäftsführer Steeger dementiert wilde Gerüchte

Freitag, 16. November 2012
Die Garantierendite für die Jahr-Holding würde nur im Verlustfall greifen
Die Garantierendite für die Jahr-Holding würde nur im Verlustfall greifen


Dieses Gerücht spukt seit Jahren über die Hamburger Verlagsflure, speziell über die bei Gruner + Jahr (G+J). Und mit dem Gerücht eine Zahl. Angeblich, so heißt es, steht der Verlegerfamilie Jahr, die 25,1 Prozent an G+J hält, laut Gesellschaftervertrag eine jährliche Garantierendite von 30 Millionen Euro zu. Also eine dicke Mindestausschüttung - auch in schlechten Zeiten. Hin und wieder war darüber in den vergangenen Jahren auch in der Presse zu lesen. Bestätigt oder dementiert oder kommentiert wurde dies nie. Bis jetzt.
Denn das Gerücht erfährt in diesen Tagen eine Zuspitzung. Danach haben die Jahrs und G+J-Mehrheitseigner Bertelsmann (74,9 Prozent) im Rahmen ihres bekanntlich gescheiterten Anteilstauschs - angeblich! - eine geheime Nebenvereinbarung geschlossen. Angeblicher Inhalt: Die Jahrs bekämen 40 Millionen statt 30 Millionen Euro pro Jahr garantiert - und verzichteten dafür auf einzelne, einige oder alle Mitsprache- und/oder Veto-Rechte, die ihnen bisher als Gesellschafter zustanden.

Es gibt Verlagsinsider, die dies zu wissen glauben. Aber auch andere, die davon nichts wissen, halten das Szenario für plausibel. Weil Bertelsmann so auch ohne 100-Prozent-Anteil bei G+J „durchregieren" könnte. Und weil auf der Jahr-Seite das Interesse an einem sichereren Cash-Fluss mittlerweile größer sein könnte als am Mitregieren im Verlagsgeschäft.

Zumal laut Fachdienst „Media Tribune" just Anfang November auch die Gründererben Michael Jahr, 74, und Angelika Jahr-Stilcken, 71, ihren Kindern den größten Teil ihres Firmenvermögens vermacht haben. Die Familiengesellschaften der bereits verstorbenen Gründererben Alexander (1940-2006) und John Jahr (1933-2006) befinden sich bereits im Besitz der dritten Generation. Damit regieren bei den Jahrs die Enkel, die emotional vielleicht nicht mehr so am Verlagsgeschäft hängen.

Also: Stimmt das Gerücht, das vor dem Hintergrund der aktuellen Situation bei G+J - der Vorwurf der Auszehrung des Verlags durch jahrelange Vollausschüttung an die Gesellschafter ist virulent, Sparrunden und Stellenstreichungen stehen an - nicht ohne Brisanz ist? Auf Anfrage von HORIZONT.NET nimmt Winfried Steeger, Geschäftsführer der Jahr-Holdingfirma, dazu erstmals Stellung.

Steeger dementiert klar jegliche Neuregelung der gesellschaftervertraglichen Basis. Ebenso klar dementiert er, dass die Jahr-Seite auf Mitspracherechte verzichtet habe. Doch gibt es eine jährliche Garantierendite? „Nicht etwa generell, sondern nur für den Fall eines Verlusts, der noch nie eingetreten ist und erwartungsgemäß auch in den nächsten Jahren nicht eintreten wird", sagt Steeger. Hier handele es sich um eine „uralte Regelung" aus den Zeiten des Einstiegs von Bertelsmann bei G+J.

Und stimmt die seit Jahren kolportierte Zahl von 30 Millionen Euro? „Nein", so Steeger, es sei „nicht ein Zehntel dessen und wirtschaftlich im Kern zu vernachlässigen, erst recht im Lichte dessen, dass die Regelung nur im Verlustfall greift". Und noch mal: Diese Garantierendite sei nun auch nicht angehoben worden. Bei Bertelsmann will man sich zu dem Thema nicht äußern. rp

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