G+J: Frankreich-Vorstand Fabrice Boé vor dem Abgang

Montag, 07. September 2009
Frankreich-Chef Fabrice Boé muss wohl gehen
Frankreich-Chef Fabrice Boé muss wohl gehen

Jetzt ist es wohl soweit: Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr verkleinert seinen Vorstand; Frankreich-Chef Fabrice Boé muss seinen Posten offenbar zum Jahresende räumen. Entsprechende Spekulationen in der französischen Presse am Montag decken sich mit Informationen von HORIZONT.NET. HORIZONT hatte in seiner Printausgabe bereits im April über diese Erwägungen berichtet. G+J dementierte am Montagabend nicht, sondern teilte mit: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu Medienspekulationen, die Veränderungen in der Führung von G+J Frankreich betreffen."

Als mögliche Nachfolger für Boé - allerdings nicht mehr im Range eines Vorstandes, sondern nur noch als Geschäftsführer - werden in der Hamburger G+J-Zentrale vor allem zwei Namen gehandelt: Pierre Riandet, bisher als Verlagsleiter International mit Sitz in Hamburg die rechte Hand von Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein, sowie Rolf Heinz, bisher Geschäftsführer beim Joint Venture G+J/Mondadori in Italien (und davor ebenfalls Verlagsleiter International). Heinz ist seit 2000 bei G+J, unter anderem früher als Leiter des Stabsbereichs des ehemaligen G+J-Vorstands Axel Ganz in Paris.

Verlagsinsider halten es für gut möglich, dass Heinz neuer Frankreich-Chef werden könnte - und Riandet sein Stellvertreter. Der von der französischen Presse als möglicher Boé-Nachfolger genannte Johannes Werle, Chef der österreichischen G+J-Tochter Verlagsgruppe News (und früher bereits einmal für G+J in Paris), soll laut Verlagskreisen dagegen in Wien bleiben. Ebenfalls genannt wird Philippe Labi, bisher Verlagsgeschäftsführer TV-Zeitschriften und People-Magazine bei der G+J-Frankreich-Tochter Prisma Presse.

Mit der Verkleinerung des Vorstandes auf dann nur noch drei Personen (CEO Bernd Buchholz, Klein sowie Finanzchef Achim Twardy) dürfte Buchholz gleich mehrere Zeichen setzen wollen: zum einen als Signal an die breite Belegschaft, dass nicht nur in den unteren Rängen Stellen gestrichen werden. Und zum anderen als Konzession an seinen Vorstandskollegen Klein, dem Boés Frankreich-Geschäft zugeschlagen werden dürfte. Hintergrund: Dadurch könnten anderweitige Machteinbußen Kleins, der gegen Buchholz bei der CEO-Wahl im Januar dieses Jahres unterlegen war, kompensiert werden - denn Verlagsbeobachter halten Einschnitte auch im Auslandsgeschäft für sehr wahrscheinlich.

Fabrice Boé wurde Anfang 2006 in den G+J-Vorstand berufen. Er war 2004 als Verlagsgeschäftsführer Frauenzeitschriften zur Pariser G+J-Tochter Prisma Presse gekommen; 2005 wurde Boé dort Geschäftsführer. Zuvor arbeitete der Absolvent der Pariser Elite-Uni HEC insgesamt 16 Jahre im L'Oréal-Konzern, zuletzt als weltweit verantwortlicher Generaldirektor für die Marke Helena Rubinstein und dann in gleicher Funktion für Lancôme. rp
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