G+J Frankreich-Vorstand Boé geht / Klein übernimmt Aufgaben

Montag, 14. September 2009
Torsten-Jörn Klein übernimmt die Verantwortung für das gesamte Auslandsgeschäft
Torsten-Jörn Klein übernimmt die Verantwortung für das gesamte Auslandsgeschäft

Jetzt ist es offiziell: Gruner + Jahr ordnet seine internationale Organisation neu und fasst alle Auslandsaktivitäten einschließlich G+J Frankreich wieder im Bereich G+J International zusammen. Fabrice Boé, CEO von G+J Frankreich, scheidet zum 1. Oktober 2009 aus dem G+J-Vorstand aus. HORIZONT.NET hatte bereits in der vergangenen Woche darüber berichtet. Seine Aufgaben übernimmt Vorstand Torsten-Jörn Klein zusätzlich zu seinen Aufgaben als Leiter G+J International. Die Führungsspitze in Frankreich teilen sich künftig Rolf Heinz, 43, als CEO und Pierre Riandet, 43, als CFO. Sie werden zum 1. Oktober die Geschäftsleitung von Prisma Presse übernehmen. Der Deutsch-Spanier Heinz ist seit September 2005 Geschäftsführer des italienischen Joint Ventures G+J/Mondadori. Der Franzose Riandet ist seit November 2005 Verlagsleiter International im Bereich G+J International. Der aktuelle CFO von G+J Frankreich, Jean-Pierre Caffin, 65, soll der neuen Geschäftsleitung noch bis Ende Oktober beratend zur Seite stehen. Auch Boé soll den Vorstand zukünftig „in strategischen Fragestellungen im internationalen Bereich" unterstützen.

Frankreich ist mit einem Umsatz von rund 500 Millionen Euro (2008) nach Deutschland der wichtigste Markt für G+J; knapp ein Fünftel aller Konzernerlöse kommen vom Tochterverlag Prisma Presse in Paris. Doch auch Frankreichs zweitgrößtes Zeitschriftenhaus, das dort 20 Magazine herausgibt („Femme Actuelle", „Voici", „Télé 2 Semaines"), spürt die Wirtschafts- und Werbekrise: Laut französischen Medienberichten bereitet Prisma Presse zum ersten Mal in seiner Geschichte Stellenstreichungen vor; bis zu 45 der über 1000 Arbeitsplätze sollen wegfallen. Die Redaktionen seien nicht betroffen, heißt es. Insgesamt sollen die Kosten um 10 Prozent sinken. Und in der Führungsriege gibt es weitere Turbulenzen: Laut französischen Presseberichten wird auch Geschäftsführer Olivier Jacobs, zuständig fürs Digital- und Diversifizierungsgeschäft, Prisma Presse verlassen.

Viel Arbeit also für G+J-Auslandsvorstand Klein und seine neuen Statthalter in Paris. Mit der Übernahme des Frankreich-Geschäfts, das aus G+J-historischen Gründen in den vergangenen Jahren durch ein eigenes Vorstandsressort geadelt war, erhöht Klein den von ihm verantworteten Umsatz um etwa 70 Prozent auf nunmehr über 1,2 Milliarden Euro. Bislang war Klein für 26 Prozent des G+J-Umsatzes in 33 Ländern verantwortlich, inklusive Frankreich sind es nun 44 Prozent (Angaben auf Zahlenbasis von 2008). Anders als vom „Handelsblatt" jüngst bejubelt, wird Klein durch das Boé-Erbe daher nicht zur Nummer zwei im Zeitschriftenkonzern - er war es längst.

Allerdings wird der 45-Jährige wohl bald wieder Umsatz abgeben müssen. Grund ist das 200-Millionen-Euro-Sparprogramm, das sich G+J auferlegt hat. Davon sind in diesem Jahr noch 120 Millionen Euro zu erbringen - wozu Klein wohl einen großen Teil beitragen muss. Neben Einschnitten in Frankreich und besonders im Problemmarkt Spanien halten Verlagsinsider Radikalkuren in Russland, Osteuropa und in Randmärkten für sehr wahrscheinlich - bis hin zum Rückzug aus einigen Ländern, in denen G+J eine kritische Größe kaum erreichen kann. Insofern darf man die neue Frankreich-Verantwortung für Klein, der gegen seinen Vorstandskollegen Bernd Buchholz bei der CEO-Wahl im Januar dieses Jahres unterlegen war, auch als Vorab-Kompensation für zu erwartende Geschäftsverluste lesen. se/rp
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