G+J: „FTD"-Chefredakteur Steffen Klusmann übernimmt auch „Capital"

Donnerstag, 11. Dezember 2008
Bekommt mehr Arbeit: Steffen Klusmann
Bekommt mehr Arbeit: Steffen Klusmann

Noch mehr Arbeit für Steffen Klusmann bei Gruner + Jahr: Der Chefredakteur der „Financial Times Deutschland" wird ab 1. März 2009 zugleich die Chefredaktion des Wirtschaftsmagazins „Capital" übernehmen. Der Verlag hat mittlerweile eine entsprechende HORIZONT.NET-Information bestätigt. Diese Doppelfunktion soll Klusmann offenbar solange ausüben, bis ein Nachfolger für den scheidenden „Capital"-Chefredakteur Klaus Schweinsberg gefunden ist. Offenbar erweist sich die Suche nach einem Schweinsberg-Nachfolger als schwieriger als gedacht. Wohl um Unsicherheiten über die künftige Linie von „Capital" und Spekulationen über die vermeintliche Führungslosigkeit des Magazins vor allem im Anzeigenmarkt zu vermeiden, präsentiert G+J noch vor Jahresende einen neuen - wenn auch interimistischen - „Capital"-Kopf. Und Klusmann ist nicht irgendwer: Wie berichtet, übernimmt der 42-Jährige ebenfalls zum 1. März die Leitung des Chefredakteur-Kollegiums der vier G+J-Wirtschaftstitel „FTD", „Capital", „Impulse" (Chefredakteurin: Ursula Weidenfeld) und „Börse Online" (Chefredakteurin: Stefanie Burgmaier) - und ist damit Boss einer zentralen Wirtschaftsredaktion in Hamburg mit 250 Köpfen.


In diesen Tagen führt Klusmann Personalgespräche im Stundentakt - vor allem mit G+J-Wirtschaftsredakteuren aus Köln („Capital", „Impulse") und München („Börse Online"). Die dortigen Redaktionen werden aufgelöst, 110 Redakteuren gekündigt; sie müssen sich um 50 neue Stellen in Hamburg bewerben. Zum künftigen Verhältnis zwischen „FTD" und „Capital" hat sich Klusmann vor zwei Wochen erstmals in HORIZONT geäußert: Ja, es könne sein, dass die „FTD", die er in seinen vier Jahren als Chef bewusst „magaziniger" gestaltet hat, etwa zugunsten von „Capital" bald auf die eine oder andere Lesegeschichte verzichten müsse. „Aber wir werden die ,FTD‘ nicht auf News reduzieren", so Klusmann. Daher müssten sich auch die Magazine weiterentwickeln und noch hintergründiger werden.

Der im März dieses Jahres erfolgte „Capital"-Relaunch von Klaus Schweinsberg gilt auch in G+J-Kreisen als mutig und optisch durchaus gelungen, aber in der Ressort- und Inhaltsstruktur eher als missglückt. Auch die publizistische Relevanz des Magazins wird mitunter vermisst. Im 3. Quartal verkaufte „Capital" 208.966 Hefte, davon allerdings nur noch knapp die Hälfte über Abo und Einzelverkauf. Zudem hat Schweinsbergs „Fünf-Säulen-Geschäftsmodell" (monatliches Magazin, wöchentlicher Newsletter „Capital Investor", Online, Veranstaltungen, Telefon-Hotline) nicht auf jeder Säule Tragfähigkeit bewiesen. Noch mehr Arbeit also für Gruner + Jahrs neuen „Mr. Wirtschaftspresse" Steffen Klusmann. rp
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