G+J-CEO Kundrun legt Vorstandsmandat bei Bertelsmann nieder

Dienstag, 23. Dezember 2008

 Von wegen Frohe Weihnachten. Zumindest in Gütersloh endet das Jahr 2008 mit einem gewaltigen Paukenschlag. Wie HORIZONT.NET zuerst vermeldet, Bertelsmann inzwischen bestätigt hat, hat Bernd Kundrun, CEO von Gruner + Jahr und in dieser Funktion auch im Bertelsmann-Vorstand vertreten, einen Tag vor Heiligabend sein Vorstandsmandat bei Deutschlands größtem Medienkonzern niedergelegt. Offensichtlich war Kundrun die letzte Zeit bemüht, die Position von G+J innerhalb des Bertelsmann-Konzerns zu stärken. Sein Job als Chief Executive Officer bei Gruner + Jahr - hier hält Bertelsmann 74,9 Prozent, die Jahr-Gruppe 25,1 Prozent -  bleibt davon unberührt. Man fragt sich freilich unwillkürlich: Wie lange noch? Kundruns Vertrag bei Gruner + Jahr endet im Jahr 2010. Vorausgegangen waren der Amtsniederlegung Kundruns dem Vernehmen nach Auseinandersetzungen zwischen Kundrun und dem Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski. Neben Kundrun und Ostrowski gehören dem Bertelsmann-Vorstand noch Arvato-Chef Rolf Buch, Random-House-CEO Markus Dohle, Gerhard Zeiler, CEO der RTL Group und CFO Thomas Rabe an.

Einen Grund für den Streit hatte das  „Manager Magazin" in der  Verschuldung von Bertelsmann gesehen, die Kundruns „Tatkraft und Ideenfreude enge Grenzen setzt: Jüngst musste er den gut 110 Journalisten von "Capital", "Impulse" und "Börse Online" avisieren, dass für sie künftig allenfalls 50 Arbeitsplätze zur Verfügung stünden".

Dass Kundrun die G+J-Position innerhalb Bertelsmann stärken wollte, wird nun auch durch einen Artikel in Focus Online untermauert. Dort heißt es: "Mehrfach hatte Kundrun in den vergangenen Wochen beim Bertelsmann-Boss darauf gedrängt, mehr Geld für Investitionen bei Gruner+Jahr bereitzustellen. Bislang liefert das Hamburger Zeitschriftenhaus seine Gewinne nahezu komplett bei Europas größtem Medienkonzern ab. In den vergangenen fünf Jahren war das rund eine Milliarde Euro. Angesichts der Medienkrise forderte Kundrun einen Richtungswechsel und wollte einen Teil der Erlöse für Investitionen nutzen, auch um die Jobs bei Gruner+Jahr sicherer zu machen. Doch mit seinem Ansinnen hatte er in Gütersloh keinen Erfolg. Ostrowski & Co. möchten offenbar lieber in den Fernsehsender RTL sowie den Buchverlag Random House investieren und benötigen zudem die Millionen aus Hamburg, um ihren immensen Schuldenberg abzubauen."


In einem „FAZ"-Interview  hatte Kundrun zuletzt ein düsteres Szenario für die Printbranche 2009 entworfen: „Leider zeigt die Erfahrung, dass die Printmedien überproportional stark betroffen sein werden. Der Grund liegt darin, dass Imagewerbung und positionierende Werbung vielen Unternehmen als am leichtesten verzichtbar erscheinen. Davon sind Zeitschriften- und Zeitungsverlage stärker betroffen als andere Medien. Daher ist die Prognose für die Printmedien besorgniserregend."


Interessant Kundruns Antwort auf die „FAZ"-Frage, wie Bertelsmann und Vorstandschef Ostrowski die drastischen und umstrittenen G+J-Sparmaßnahmen aufgenommen habe. Kundrun: „Er (Ostrowski) und unsere Gesellschafter unterstützen den Kurs von Gruner + Jahr zu 100 Prozent und sehen auch, dass wir entschlossen agieren. Gerade weil wir unsere Probleme jetzt angegangen sind, werden wir auch in einem potentiellen Krisenjahr 2009 relativ gut dastehen und eine vernünftige Rendite erwirtschaften." vs
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