G+J: "Brigitte Balance" wird eingestellt / Versuchsküchen bleiben erhalten

Donnerstag, 01. November 2012
"Mein Herz wird immer für den Journalismus schlagen": Stephan Schäfer
"Mein Herz wird immer für den Journalismus schlagen": Stephan Schäfer


Kaum zum Geschäftsführer
der Verlagsgruppe Life von Gruner + Jahr berufen, trifft Stephan Schäfer bereits die ersten weitreichenden Entscheidungen, um die Frauenzeitschrift "Brigitte" wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Der Ableger "Brigitte Balance" wird eingestellt, die Versuchsküchen von "Brigitte" und "Essen & Trinken" werden zusammengelegt, einzelne Mitarbeiter müssen gehen. Im Interview mit HORIZONT spricht Schäfer außerdem über Ämterhäufung und Rollentrennung. Die Frauenzeitschrift "Brigitte" ist für Schäfer und Chefredakteurin Brigitte Huber die größte Herausforderung: Sie verliert massiv an Auflage, wie die übrigen beiden 14-täglichen Frauentitel. Auch das Anzeigengeschäft läuft mau. "Hier bin ich gefragt als Chefredakteur", kündigte Schäfer im Interview mit HORIZONT an: "An diese Aufgabe gehe ich mit Respekt heran und der Zuversicht, dass wir das kommende Jahr zum großen Jahr der 'Brigitte' machen können."

Nun steht fest, dass Schäfer aber nicht um Einschnitte bei der Frauenzeitschrift herumkommt: Der Ableger "Brigitte Balance" wird wegen der mangelnden wirtschaftlichen Perspektive zum Ende des Jahres eingestellt. Im Gegenzug wird das Ressort Balance im Hauptheft ausgebaut, die betroffenen Redakteure werden übernommen. Wie bereits vorab durchgesickert war, werden außerdem die Versuchsküchen von "Brigitte" und "Essen & Trinken" zusammengelegt. Auch hier bleiben alle Arbeitsplätze, unter anderem von zwölf Köchen und zwei Fotografen, erhalten.

Allerdings werden auch Stellen gestrichen: Betroffen sind unter anderem das Ressort Living und der Leserservice. Das Ressort Living wird künftig vom Schwesterblatt "Living at Home" unter der Leitung von Chefredakteurin Bettina Billerbeck produziert, der Leserservice soll "zeitgemäßer" aufgestellt werden.

"Es geht uns darum, das journalistische Fundament und die Kraft der Marke 'Brigitte' besser nach außen zu tragen, um ihre Rolle als Marktführerin in dem Segment zu behaupten und weiter auszubauen", begründen die Chefredakteure Brigitte Huber und Stephan Schäfer die Veränderungen. "Allem voran unser oberstes Ziel: Wir verbessern die Qualität der 'Brigitte', stärken sie inhaltlich und stellen die Redaktion effizienter auf, um weiter die beste deutsche Frauenzeitschrift zu machen."

Gerüchte, das Budget von "Brigitte" werde um rund 30 Prozent zusammengestrichen, weist man bei Gruner + Jahr indes weit zurück. Die Einsparungen würden bei deutlich unter 10 Prozent des Gesamtetats liegen.

Auf der nächsten Seite: Was Schäfer zu seiner Doppelrolle als Chefredakteur und Geschäftsführer sagt
"Mein Herz wird immer für den Journalismus schlagen": Stephan Schäfer
"Mein Herz wird immer für den Journalismus schlagen": Stephan Schäfer
Im Interview mit HORIZONT betonte Schäfer, dass er durch seine Doppelrolle als Chefredakteur und Geschäftsführer keine Konflikte zwischen redaktioneller Qualität und Rendite sehe: "Als Geschäftsführer sehe ich es als meine Aufgabe, auch im Kaufmännischen den Journalismus und seine Inhalte zu vertreten", beteuert Schäfer: "Falls es je zu einem Patt zwischen beiden Rollen kommen sollte, wird mein Herz immer für den Journalismus schlagen."

Erstmals nimmt er in HORIZONT auch Stellung zu dem Ärger um eine Kooperation von "Essen & Trinken" und VW wegen vermeintlicher Vermischung von Redaktion und Werbung. Das G+J Compliance-Gremium sei zu dem Ergebnis gekommen, „dass diese Kundenkommunikation eindeutig und ausreichend auch als solche gekennzeichnet ist und damit den geltenden Bestimmungen vollauf entspricht". rp/dh

Das Interview mit Stephan Schäfer lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 44/2012, die am Donnerstag, 1. November erscheint.
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