G+J-Auslandsvorstand Klein: "Der Springer-Ringier-Deal hat für uns kaum Bedeutung"

Montag, 29. März 2010
Auslandsvorstand von Gruner + Jahr: Torsten-Jörn Klein
Auslandsvorstand von Gruner + Jahr: Torsten-Jörn Klein

Als Gruner + Jahr in der vergangenen Woche seine Bilanz vorstellte, bestimmten CEO Bernd Buchholz und seine Geschäftszahlen, seine Strategie und das kommende E-Magazin des „Stern" die Schlagzeilen. Nur kurz hatte Auslandsvorstand Torsten-Jörn Klein geredet - dabei verantwortet der 46-Jährige rund die Hälfte aller G+J-Umsätze; in über 30 Ländern ist der Verlag unterwegs. Im Interview mit HORIZONT.NET erklärt Klein, warum er nicht an eine schnelle Erholung des von der Wirtschaftskrise besonders gebeutelten spanischen Marktes glaubt - sondern stattdessen an Übernahmen und Fusionen, bei denen G+J eine aktive Rolle spielen "könnte". Außerdem kündigt er neue Magazine im wachsenden, aber politisch schwierigen chinesischen Markt an und begründet, warum ihn das jüngste Joint Venture von Axel Springer und Ringier in Osteuropa kalt lässt. Herr Klein, seit dem Ausscheiden von Fabrice Boé verantworten Sie auch den französischen Markt, der knapp ein Fünftel der G+J-Umsätze ausmacht.  Damit stehen Sie nun für rund die Hälfte aller Erlöse. Ein gutes Gefühl?
Torsten-Jörn Klein: Das internationale Geschäft hat ja immer schon etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes ausgemacht. Es war für G+J ein sinnvoller Schritt und für mich eine ehrenvolle Aufgabe, das Frankreich-Geschäft zu integrieren. Frankreich ist unser größter Auslandsmarkt. Nun gibt es neue Möglichkeiten für internationalen Austausch und Synergien. Die Umsatzverteilung nach In- und Ausland ist für uns alle hier aber wenig relevant. Entscheidend sind die Ergebnisse in den einzelnen Ländern.

Und da fällt ein Land gerade arg negativ auf: Spanien, Ihr zweitgrößter Auslandsmarkt. Während Ihre Anzeigenumsätze 2009 in den meisten westeuropäischen Ländern zwischen 15 und 20 Prozent sanken, meldet G+J Spanien ein Minus von etwa 30 Prozent. Was ist da los?
Klein: Die Wirtschaftskrise hat Spanien in einer Dimension getroffen wie kein anderes Land. Die Autozulassungen haben sich seit 2007 halbiert, entsprechend ist der Werbemarkt eingebrochen. Und das trifft uns als Marktführer im Motor-Segment natürlich ganz besonders.

In Spanien sind aber auch die Vertriebserlöse stärker gesunken als in anderen Ländern.
Klein: Dort hat die Krise bereits im Frühjahr 2008 begonnen, früher als im Rest Europas. Die Arbeitslosenquote liegt bei 20 Prozent. Das schlägt sich natürlich auch in den Abverkäufen nieder.

Wenn die Krise dort zuerst begonnen hat - ist sie dort auch zuerst wieder beendet?
Klein: Das erwarten wir leider nicht. Wir glauben fest an den spanischen Markt, er wird sich erholen - aber wohl etwas später als andere. Deshalb mussten wir dort die umfassendsten Restrukturierungen von ganz G+J vornehmen und die Zahl unserer Mitarbeiter in Spanien von 700 auf 500 reduzieren. Das war sehr schmerzlich, doch nun sind wir richtig aufgestellt - für jetzt und erst Recht für die Zukunft, wenn die spanische Wirtschaft wieder anspringt.

Doch noch steckt Spanien samt Pressemarkt mitten in der Krise. Ist es jetzt nicht an der Zeit für eine Marktbereinigung, für Übernahmen und Fusionen?
Klein: Wir glauben, dass es Veränderungen geben wird. Und im Kernmarkt Spanien wollen wir Konsolidierungstreiber sein. Unsere Verlagsdienstleistungs-Tochter GPS, die gerade ihren ersten externen Vermarktungsmandanten gewonnen hat, könnte dabei eine Rolle spielen.

Blicken wir von Süd- nach Osteuropa. Dort befindet sich G+J auf dem Rückzug, während etwa Axel Springer wächst - durch die Übernahme Ihres Russland-Geschäftes und durch das jüngste Joint Venture mit Ringier.
Klein: Da muss man genauer hinschauen. Unseren russischen Verlag haben wir verkauft, ebenso haben wir uns mit der Motorpresse aus der  Türkei und Rumänien zurückgezogen. Klar, dafür bekommt man keinen Applaus. Aber es ist die richtige Entscheidung, unser Engagement dort, wo wir nicht zu den drei größten Verlagen innerhalb eines Segments gehören, zurückzufahren und uns auf Kernländer zu konzentrieren.

Hatten Sie keinen Ehrgeiz, im Riesenmarkt Russland unter die Top 3 zu kommen?
Klein: Doch, aber das haben wir nicht geschafft. Vielleicht sind wir 1998 zu spät gestartet. Jedenfalls haben wir nur einen Marktanteil von 2 Prozent erreichen können. Wir haben dann versucht zu akquirieren. Aber die interessanten Objekte standen nicht zum Verkauf, oder nur deutlich zu teuer. Oder die Geschäftsusancen entsprachen nicht unserem Verständnis. Wir haben wirklich alles versucht. Doch wenn es nicht klappt, dann muss man konsequent handeln. Wir erhalten jetzt einen guten Kaufpreis und fortan Lizenzzahlungen.

Und der Springer-Ringier-Deal in Polen, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Serbien?
Klein: Der hat für uns kaum Bedeutung. Zum einen, weil er eher den Zeitungsmarkt betrifft. Und zum anderen glauben wir nur bedingt an die kleineren osteuropäischen Märkte ...

... aber Sie sind doch selber in Polen, Slowenien, Kroatien und Serbien aktiv.
Klein: Ja, aber Polen ist natürlich mit 40 Millionen Einwohnern kein kleiner Markt, und in Slowenien, Kroatien und Serbien sind wir mit unserem Joint Venture gut unterwegs. Grundsätzlich jedoch halte ich in vergleichbaren Ländern Lizenzvergaben für den besseren Weg. So machen wir es in Rumänien, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Bulgarien. Auch Axel Springer hält dort Lizenzen von uns. Ich glaube, dass der weltweite Trend genau dahin geht: In jedem Land bilden sich starke Verlage heraus, die dort auch Titel anderer Häuser herausgeben. Jeder ist mal Lizenzgeber und mal -nehmer.

In Rumänien ist Ihnen durch den Rückzug der Motor Presse Stuttgart der Lizenznehmer für „Geo" abhanden gekommen. Suchen Sie einen neuen Partner, oder ist Rückzug eine Option?
Klein: Wir suchen einen neuen Partner.

Erwägen Sie, wie bisweilen kolportiert wird, den Rückzug aus Polen? Aus anderen Ländern?
Klein: Nein.

Blicken wir noch weiter gen Osten - nach China, eine der großen Wachstumshoffnungen von G+J. 2008 waren Ihre Umsätze dort um ein Fünftel gestiegen, im vergangenen Jahr nur noch um 3,5 Prozent auf über 50 Millionen Euro. Ist die China-Story schon wieder zu Ende?
Klein: Nein, im Gegenteil. Wir werden dort weitere Magazine launchen. Natürlich hat auch China die Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommen, aber der Markt ist weiter gewachsen, selbst in der Krise.

Dort haben Magazine einen Werbemarkanteil von kaum 3 Prozent. Reicht das?
Klein (springt auf und holt die März-Ausgabe des chinesischen G+J-Frauenmagazins „Rayli Fushi Meirong" aus dem Regal, ein Hochglanztitel so dick wie ein Telefonbuch und voll mit Anzeigen. Lachend): Reicht das als Antwort? Ich kann mit diesem Anteil sehr gut leben, wenn der Gesamtmarkt weiter so wächst. Wir sind mit unseren Partnern Marktführer im Frauensegment. Außerdem haben wir ja nicht nur Print, sondern betreiben auch die größte Frauenwebsite, die ihre Werbeumsätze 2009 verdoppeln konnte. Dieser Trend dürfte anhalten, vor allem mobil.

Doch ausländische Häuser können in China nur Juniorpartner in Joint Ventures mit staatlichen Verlagen sein. Wie fragil sind die Geschäfte dort, Stichworte Zensur und Google?
Klein: Für unsere Frauen-, Männer-, Auto- und Wohnmagazine ist das natürlich weniger ein Thema. Doch ohne Frage ist der chinesische Markt reguliert. Das heißt aber nicht, dass im vertrauensvollen Umgang miteinander nicht für beide Seiten gute Geschäfte möglich sind. Abgesehen davon: Ich kenne China jetzt seit zehn Jahren, und in dieser Zeit hat sich das Land wahnsinnig entwickelt und geöffnet, quasi von Tag zu Tag. Und das wird so weitergehen. Interview: Roland Pimpl

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